Geheimniskrämerei des Bürgermeisters

Was kann so delikat sein, dass man es vor der Öffentlichkeit verstecken muss?

Unsere Gemeindeparlament muss sich mit dem Bebauungsplan zur Neuen Mitte auseinandersetzen. Ein Projekt, das den gesamten Ort schon sehr lange beschäftigt. Ein Projekt, was wie kein anderes bei uns in der Gemeinde zukunftsweisend ist.

Die KOMM,A Fraktion hat in der Verwaltung mündlich wie schriftlich um Einsichtnahme in die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zur erneuten Offenlage im Sommer 2020 gebeten. Dies hat Bürgermeister Markus Hennemann verweigert.

Die Frage ist: Warum? Was gibt es zu verstecken?

Träger öffentlicher Belange, das sind in erster Linie Behörden, die eine gewichtige Meinung auch und gerade in Sachen der Bauleitplanung haben. Basierend auf unseren Gesetzen und Verordnungen. Letztendlich muss aber in fast allen Fällen die Gemeinde abwägen, was auf Basis der Stellungnahmen zu tun ist. Dies geschieht im Parlament und den Ausschüssen.

Wie aber sollen Gemeindevertreter*innen sich ein Bild machen, wenn sie diese Stellungnahmen nicht zu Gesicht bekommen? Auf welcher Basis soll denn abgewogen werden?

Dem Parlament wird zur Beschlussfassung eine stark gekürzte, bereits bewertete Zusammenfassung des Stadtplaners vorgelegt. Dieser Planer wird, gemäß städtebaulichem Vertragsentwurf, vom Investor letztendlich bezahlt.

Es mag Gemeindevertreter*innen geben, für die das ausreichend ist. Es gibt aber auch Gemeindevertreter*innen, für die das nicht ausreichend ist, die sich ein genaues, ungetrübtes Bild machen möchten. Verständlich, gerade beim Thema Neue Mitte.

Bisher war es üblich, dass den Gemeindevertreter*innen auf Anfrage mindestens Einsicht in die Originale gewährt wurde. Nicht so bei Bürgermeister Markus Hennemann. Er persönlich verweigert das.

Die Hessische Gemeindeordnung (HGO) verbietet die Einsichtnahme nicht. Sie ist kein Hinderungsgrund. Es liegt alleine am Bürgermeister, die Einsicht zu gewähren oder diese zu verweigern.

Andere Kommunen machen es besser, auch in Hessen. Sie legen sogar den kompletten Vorgang offen, für alle Bürger*innen.

Was also gibt es Brisantes zu verstecken?

Es darf gerätselt werden.

Als Bürgerinitiative sehen wir das einigermaßen entspannt. Im Zuge einer neuerlichen Normenkontrolle werden wir früher oder später Einsicht in die Akten erhalten. Sollte es also etwas zu verstecken geben, kommt es spätestens dann ans Tageslicht.

Sollte es nichts zu verstecken geben, sollte sich Bürgermeister Markus Hennemann jetzt erklären, warum er aktiv die Einsicht verweigert.

Der Datenschutz kann es nicht sein. Zumindest nicht in Bezug auf Stellungnahmen von Behörden. Ein Akteneinsichtsausschuss wird der Gemeinde nicht helfen. Dieser würde praktisch rückwirkend nach Beschluss Einsicht haben. Beides sind Ausreden! Nochmals: Der Bürgermeister kann jederzeit entscheiden, ob Einsicht gewährt wird oder nicht.

Um einen großen Sozialdemokraten zu zitieren:

„Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“

Helmut Heinrich Waldemar Schmidt, SPD, Deutscher Staatsmann

Muss unser Dorf hässlicher werden?

  • Wieder muss ein altes Gebäude weichen
  • Ohne Not wird denkmalgeschützter Anbau von der Gemeinde abgerissen

Am alten denkmalgeschützten Schulhaus Ecke Darmstädter Straße / Steingasse stand ein kleiner unscheinbar wirkender Anbau, der als Schuppen und Abstellraum diente.

So sah der Anbau einmal aus

Sicher ist das Gebäude nicht sonderlich bedeutsam. Aber es war alt, hat sicher eine Geschichte und es stand unter Denkmalschutz. Es wurde am 20.11.2020 von der Gemeinde durch ein Abbruchunternehmen niederlegen lassen. Ein Riss in der Außenwand soll der Grund gewesen sein, dass das Gebäude abgerissen werden musste.

Dass das Gebäude einen Denkmalwert hat, spielte keine Rolle. Aber vor allem wurde das Gebäude ohne Not abgebrochen, denn man weiß nicht mal wofür. Die Gemeinde hat mal wieder kein Konzept, was nun mit der Fläche passieren soll. Alles mal wieder völlig undurchdacht. Der Abriss nutzt zum jetzigen Zeitpunkt also niemanden. Ganz im Gegenteil, der Abbruch ist sogar von Nachteil, denn sollte dort etwas Neues errichtet werden, müsste die Gemeinde auf ihrem Grundstück Grenzabstände einhalten. Eine Sicherung des Gebäudes wäre immer möglich gewesen. Soll niemand kommen, dass das teuer gewesen wäre. Eine typische Behauptung, die aus dem Rathaus kommt. Isoliert betrachtet, ist immer alles teuer. Es kommt aber darauf an zu wissen, was man will und nicht einfach historische Substanz zu vernichten. Dann sieht die Welt anders aus.

Dafür, dass das Gebäude „einsturzgefährdet“ war, hatte der Bagger ordentlich was zu tun

Ein Bürger sagte am Freitag: „In Bickenbach würde die Politik auch die durch einen Brand schwer beschädigte Kathedrale Notre Dame in abreißen lassen“. Nicht falsch, wie der Bickenbacher die nicht vorhandene Sensibilität in Sachen Ortsentwicklung und Natur bewertete. 

Es ist der bekannte praktizierte Dilettantismus von Bürgermeister, Gemeindevorständen und Gemeindevertretern. Sie meinen in allen Feldern kompetent zu sein und merken nicht, was sie anrichten. Wie bei der geplanten Ortsmitte, wo auch mit fadenscheinigen Argumenten und rücksichtslos die zumindest kulturhistorisch bedeutsame Gaststätte ZUR ROSE einfach niedergelegt wurde, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass ein Investor eine riesige Baumasse errichten kann. Die Gemeinde hat das Grundstück, auf dem das Gasthaus ZUR ROSE stand, regelrecht verschleudert. Sie will dem Investor nun eine viel höhere Baumasse genehmigen und bekommt nichts für die Wertsteigerung des Grundstücks.

Alles erfolgte mit Zustimmung des Bürgermeisters!

Die untere Denkmalbehörde im Kreis Darmstadt-Dieburg macht keine gute Figur. Die Behörde untersteht einem SPD-Landrat. Bei der Gaststätte versuchte das Landesamt noch zu retten, was zu retten ist. Es war aber zu spät.   

So nicht! Unser Plakat

Der Bebauungsplan im Modell. So nicht!

Wir haben darauf geachtet, dass durch unsere Plakate keine Behinderung, vor allem Sichtbehinderungen, von Verkehrsteilnehmern entstehen, weder für Fußgänger, Radfahrer oder den Autoverkehr. Sollten Plakate witterungsbedingt verrutschen, bitten wir um Hinweis. Wir werden dies dann umgehend beheben. Plakatiert mit Genehmigung der Gemeinde.

Der Bagger

Es freut uns, dass wir eine der ersten Anlaufstationen bezüglich Informationen zur Neuen Mitte sind.

Kaum steht da ein Bagger symbolträchtig auf dem Gelände, schnellen Zugriffszahlen und persönliche Ansprache nach oben. Schön! Gibt ja offiziell keine Infos dazu. Die Gemeinde schweigt.

Endlich geht es los… Nein, doch nicht. Ja, ein Bagger, aber nicht für die Neue Mitte. Vermutlich. Bestimmt!

Ein kleiner denkmalgeschützter Schuppen soll abgerissen werden. Von der Gemeinde. Im Auftrag der Gemeinde. Ohne Zusammenhang mit der Neuen Mitte. Offiziell.

Passt doch ganz gut in den Wahlkampf, das Gerät eine Weile vorher mitten in die Neue Mitte zu stellen.

Es macht technisch aber auch – ohne Ironie – Sinn, denn Schuppen von dieser Seite abzureissen. Wenn es denn Sinn machen würde, den Schuppen abzureissen.

Die BI hat den Bagger übrigens weder verklagt, noch den Spritt geklaut oder sonst was unternommen, dass dieser nicht seinem Auftrag nachkommt.

Vielleicht ist der Bagger ja auch nur ein Nachruf und Erinnerung an die Rose. Musste damals ja super schnell gehen.

Gorleben*

Ein Gastbeitrag

In Zeiten von Corona war das Thema Endlagerstätte für Atommüll nur kurz Gegenstand von Nachrichten.

In Bickenbach scheint Politik von SPD, CDU und FDP und den Bürgermeistern Martini und Hennemann Ortsentwicklung nur unter den Gesichtspunkten gesehen zu werden, dass ein Investor etwas bauen will, es Gewerbesteuer und Arbeitsplätze verspricht. Das war etwa bei dem Hochregallager so. Bei der geplanten Bebauung der Ortsmitte wurde noch eine Kaufkrafterhöhung von der Politik ins Feld geführt.

Die Untersuchungen zu einem Endlager für Atomabfälle hat ergeben, dass viele Regionen in Deutschland in Frage kommen, sogar die Rhein-Main-Region. Wie wäre es also, wenn sich Bickenbach für das Endlager bewerben würde?

Ein solches Szenario ist nicht abwegig, wenn man sich die politischen Leitplanken und Aussagen zu Ortsentwicklungsthemen von SPD, CDU und FDP und den Bürgermeistern in Bickenbach mal anschaut. Das kommt immer.

Es würde die klamme Gemeindekasse füllen. Die Arbeiter könnten für die Auslastung der teuren Mietwohnungen in der Ortsmitte sorgen. Von Biblis wäre es auch nicht sehr weit.

Nie kommt aus der Politik das Argument, das wäre gut für den Klima- und Naturschutz, die Reduktion von Verkehr und von Verkehrslärm, das Zusammenleben stärken…

*Keine Sorge, Bickenbach gehört nicht zu den in Frage kommenden Kommunen. 

Ist die Planung Müll?

Ein komplett neues Wohngebiet mit Gastronomie und Supermarkt soll entstehen. Mitten im Ort, hautnah an der B3, man wird den Fahrtwind der vorbeirauschenden Autos förmlich spüren können. Schicke Kurzzeitparker soll es entlang der Straße geben. Eine kuschelig dunkle Tiefgarage mit meditativem Brummen und städtischen Gerüchen. Ein schmaler Gehweg lädt zum Flanieren ein. Bei Fußgängergegenverkehr oder sich öffnenden Türen ausreichend Platz in den Rücksprüngen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dank des Straßenlärms endlich kein unangenehmer Tratsch mehr mit den Bekannten und ständig eine steife Brise wie in einem Windtunnel. Angenehmer Schatten wohin man auch sieht, den ganzen Tag. Ein ausladender Kinderspielplatz in der Größe eines Doppelhausgartens. Soweit klingt das alles wunderbar. Her damit, so schnell es geht!

76 Wohneinheiten, das ist eine ganze Menge. Das ist in etwa doppelt so viel, wie es bereits jetzt Wohneinheiten in dem Gebiet zwischen August-Bebel-Straße, Bachgasse, Steingasse und Darmstädter Straße gibt – effizient auf kleinstem Raum mit kleinen Räumen. Viele Menschen sollen die Neue Mitte bevölkern. Bickenbach wächst, soll Vorstadt werden (so unser Bürgermeister) und mit Urbanität ein Glanzlicht an der Bergstraße sein.

Es gibt da aber leider ein paar Probleme. Eines davon: Viele Menschen machen viel Müll! Gastronomie und ein Supermarkt machen noch viel mehr Müll. Grüne Tonne, schwarze Tonne, blaue Tonne und jede Menge gelber Säcke. Fast so viel Müll wie das Projekt an Problemen hat.

Wir fragen uns, wo denn der ganze Müll hin soll? Brennend interessiert uns die Frage, wie die Müllentsorgung organisiert werden soll. Fragen, die nicht neu sind. Fragen, die bisher leider unbeantwortet blieben. Ist unser betoniertes Vorstadtidyll etwa in Gefahr?

Es ist nicht vorgesehen geschweige denn möglich, dass Müllfahrzeuge in die Neue Mitte „hineinfahren“. Die Abholung erfolgt also zentral von einem Punkt an der B3. Stellen Sie sich vor, die in etwa doppelte Menge an Müll des Areals zwischen August-Bebel-Straße, Bachgasse, Steingasse und Darmstädter Straße müsste von einem einzigen Punkt abgeholt werden!

Aufstellflächen für Mülleimer zur Abholung gibt es nicht. Der fast nicht vorhandene Gehweg wird straßenseitig von Längsparkern flankiert. Eine ausgewiesene Fläche für das Müllfahrzeug gibt es nicht.

Eventuell gibt es Aufstellflächen für Mülltonnen in den eigentlich nicht vorhandenen Innenhöfen direkt neben den Terrassen der Erdgeschosswohnungen. Ein sicherlich toller Anblick für die Anwohner. Der Entsorgungsarbeiter wird sich übrigens auch freuen über die Rennerei in den Innenbereich – und die Autofahrer im Stau auf der B3 hinter dem Müllfahrzeug auch.

76 Wohneinheiten. Das sind jedes Mal 76 kleine Tonnen oder etwas weniger dafür große Container. Dazu kommen noch die Container für die Gastronomie und den Supermarkt. Das ist sehr viel Müll, das wird sehr lange dauern. Jedes Mal!

Ist dies dem Gemeindeparlament und dem Gemeindevorstand sowie dem Bürgermeister eigentlich bewusst? Oder ist es den Vertretern der Bickenbacher BürgerInnen egal?  Sache der Objektplanung. Das Los der Vorstadt. Das ist in etwa so, als ob man eine Autobahn plant und baut und sich dann wundert, dass es Verkehr, Abgase und Lärm gibt…

Die Zukunft einer Gemeinde sicherstellen!

Es gibt Kommunen, die wissen, wie man sich zukunftsfähig macht und Bürger beteiligt.

Die Gemeinde Mühltal zeigt den Weg, nimmt Geld in die Hand für die fachliche Begleitung und Moderation des Bürgerbeteiligungsprozesses. So kann es gehen.

„Bei einem Forum sollen Bürger ihre Ideen zur Dorfentwicklung einbringen. Dabei geht es auch um die Identität der Ortskerne.“

Aus der Überschrift des Artikels im Darmstädter ECHO

MÜHLTAL ENTWIRFT EIN LEITBILD im Darmstädter Echo vom 5.10.2020. Da es sich um einen Bezahlinhalt handelt, können wir den Artikel an dieser Stelle nicht bereitstellen.

Die Mogelpackung des Investors

Der Investor sollte langsam erkennen, dass er mit seinen geschönten Darstellungen nicht weit kommt. Die Fehler sind ersichtlich. Es sollte uns allen zeigen, dass vermutlich noch mehr nicht stimmt. Wir haben die Fotomontage des Investors prüfen lassen, anhand von bekannten Maßen.

Das Ergebnis sehen wir auf der nachfolgenden Aufnahme.  

Bild des Investors aus dem BERGSTRÄSSER mit hinzugefügtem Gittermodell der korrekten Höhen

Der Gebäuderiegel wurde zu niedrig in die Fotoaufnahme montiert!

Und so würde es tatsächlich aussehen.

Bild des Investors aus dem Bild des Investors aus dem BERGSTRÄSSER mit hinzugefügtem Gittermodell der korrekten Höhen hochskaliert auf die korrekten Höhen
Beide Bilder im Vergleich

Zu beachten ist, dass wir uns dieses Mal auf die Messangaben aus der Planung des Investors stützen und nicht auf die Höhenfestsetzungen nach dem neuen Bebauungsplan. Sollte der Plan so verabschiedet werden, könnte der Gebäuderiegel noch höher werden und für Technikaufbauten wäre fast noch ein weiteres Geschoss zulässig! Katastrophal aus unserer Sicht.

Die auf der Fotomontage des Investors gezeigte großzügig breite Darmstädter Straße glauben wir auch nicht. Das Foto wurde mit einem Weitwinkelobjektiv gemacht. Die Wirklichkeit wird verfälscht. Wir werden dazu noch eine Untersuchung liefern, die zeigen wird, wie es sich tatsächlich verhält.

Es rächt sich, dass die Gemeinde kein maßstabgerechtes Massenmodell von dem Investor verlangt hat. Wir wollen an der Stelle nicht spekulieren, ob aus Unwissenheit auf ein Modell verzichtet wurde oder man es ganz bewusst vermieden hat, damit die Größe der Gebäude im Vergleich zu der umliegenden Bebauungen und die entstehende Enge an der Darmstädter Straße nicht Jedem klar machen kann, was da geplant wird. Dem Investor ist das natürlich nur recht. Er spart nicht nur die Kosten für ein Modell, obwohl lächerlich bei der Größe des Projektes, es hilft ihm vor allem weiter mit geschönten Bildchen zu beeindrucken und von der wahren Dimension abzulenken.

Entscheidend für uns ist aber nicht der Investor, der mit allerlei Tricks arbeitet, sondern ob sich die Gemeindevertretung, der Gemeindevorstand und der Bürgermeister es hinnehmen. Da liegt die Verantwortung für die Bebauung in der Ortsmitte.     

Sind wir nicht alle Nachbarn?

Kommentar eines weit entfernt wohnenden Nachbars der „Neuen Mitte“

Sehr geehrter Herr Petersmann,

ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten und sage Ihnen, es ist noch schlimmer. In Ihrer Planung gibt es reihenhausähnliche Wohnungsgrundrisse, die sogar nur eine Breite von ca. 3,9m haben. In der Breite ist dann noch eine Treppe nach oben angeordnet. Was sollen das für Wohnräume werden? Und dann noch schlauchähnlich mit einer niedrigen Raumhöhe.

In Ihren Zeichnungen war eine dünne Bodenplatte zu sehen. Kaum vorstellbar bei dem Projekt. Die Bodenplatte wird vermutlich um einiges stärker ausfallen mit entsprechendem Unterbau. Durch Ihre Doppelparksysteme notwendige Fundamente oder dickerer Bodenplatte kommen Sie dann doch womöglich in den Bereich des Grundwassers und müssen eine Wasserhaltung durchführen. Da werden Ihre wirklichen Nachbarn nicht sonderlich erfreut sein, wenn das Grundwasser abgesenkt werden muss oder Spundwände gerammt werden zur Wasserhaltung. Ganz davon zu schweigen, wo solches Wasser überhaupt hin soll…

In Ihren Zeichnungen für das Erdgeschoss gibt es ein paar Fenster. Bei dem Nahversorger Regale dann aber vor den Fenstern. Typische, aber schlechte Lösung. Solche Fenster werden dann zugeklebt. Wie unschön das aussieht, muss nicht beschrieben werden. Jedenfalls werden die Fenster Ad Absurdum geführt und hässlich wird es auch. Von wegen schöne neue Ortsmitte. Es benötigt eben eine ausgeklügelte und gute Planung, damit Nutzung und Qualität zusammen passen. Qualität wird in der Ortsmitte gebraucht. Es reicht nicht aus von der Schaffung einer „Neuen Mitte“ zu sprechen und nur Masse zu schaffen mit undurchdachten Wohngrundrissen und dicht stehenden Wohnriegeln. Ich werfe Ihnen vor, dass Sie nichts von dem Ort verstehen, an dem Ihr Grundstück liegt. Nicht glaubhaft ist, dass Sie eine „Neue Mitte“ schaffen wollen. Auch Ihr Projekttitel „Schlossallee“ trifft nicht zu. Sie schaffen eine schluchtähnliche Situation. Schauen sie sich mal Alleen an, die zu einem Schloss führen.

Auch unter Vermarktungsgesichtspunkten funktioniert Ihr Konzept vermutlich nicht. Ihre Mieterwartungen werden sich nicht erfüllen. Womöglich werden Sie im ersten Anlauf die Flächen sogar recht hoch vermieten. Die Probe aufs Exempel kommt aber recht schnell. Die Mieter werden sehr schnell die „Qualitäten“ ausmachen und nach Alternativen Ausschau halten. In der Region werden viele Wohnungen gebaut und kommen auf den Markt. Spätestens mit einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, werden sie mit Ihren Wohnungen in Schwierigkeiten geraten. Oder Sie müssen mit den Mieten runter. Was das bedeutet bei einer solchen Ballung von Wohnungen ist nicht auszudenken.

Ich wohne nicht in der Ortsmitte, sondern am Rand von Bickenbach. Bickenbach benötigt eine Ortsmitte, die als solche auch erkennbar und erlebbar ist. Eine riegelförmige Bebauung mit dicht an dicht stehenden Wohnblocks und einer Monostruktur aus vielen gestapelten Wohnungen erzeugt keine Ortsmitte. Bickenbach und Sie als Investor werden nur gewinnen, wenn Sie erkennen, dass eine Ortsmitte nicht durch das Stapeln von Wohnungen mit einer riesengroßen Tiefgarage und einem hohen völlig überdimensionierten Gebäuderiegel an der Straße, sowie dicht an dicht stehenden Wohnblocks in dem Innenbereich, entstehen kann. 

Mit freundlichen Grüßen

Ein Bickenbacher Bürger

(Der Name des Bürgers ist der Bürgerinitiative bekannt. Zum Schutz versöffentlichen wir das Schreiben anonym).               

Nachbarn

Ein Gastbeitrag zweier Bickenbacher Bürger

Was soll man da sagen, liebe Nachbarn?
Ein Nebensatz Ihrer Ausführungen ist korrekt und ausnahmsweise mal nicht polemisch: „Wir kennen nur wenige Details der Planung,……“
Daher erübrigt sich ein Kommentar zu allen weiteren Ausführungen.

Hartmut Petersmann per Kommentar zum Beitrag Übertreibungen und Emotionen

Lieber „Nachbar“ Petersmann,

dass wir nur wenige Details der Planung kennen – an wem liegt das wohl? Mit großer Geheimhaltung vor der Öffentlichkeit wurde das Projekt „Schlossallee“, Ortsmitte Bickenbach, bisher durch die Gremien gebracht.

Bisher wurden von Ihnen weder die komplette Planung der Öffentlichkeit vorgestellt, noch die Veränderungen erklärt. Und mit Rückmeldungen und Kritik muss man in einer Position wie der Ihren doch wohl rechnen. Diesen Vorgang nennt man „Demokratie“.

Für uns ist der Bebauungsplanentwurf maßgeblich. Er bildet die rechtliche Grundlage für die Bebauung. Der Öffentlichkeit wurde bis heute nicht erklärt, wieso der Bebauungsplan in Teilen über Ihre Planung hinausgeht und andererseits wesentliche Festlegungen fehlen, die in den Gremien der Gemeinde angeführt wurden als Argument und Qualitätsmerkmal Ihrer Planung.

Wir kennen die Teile Ihrer Planung, die die Gemeinde veröffentlicht hat. Sie genügt nicht dem Qualitätsanspruch für eine lebendige Ortsmitte in einer kleinen Gemeinde wie Bickenbach.

Als Beispiele seien genannt: Lichte Raumhöhen von 2,40m in Wohnungen sind nicht ausreichend für ein anspruchsvolles Wohnen. Die lichten Höhen von gerade einmal 3,5m für die gewerblichen Flächen im Erdgeschoss genügen nicht für einen Nahversorger. Insofern glauben wir Ihrer Darstellung nicht, sondern der Darstellung der Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach, die auf den Festsetzungen des Bebauungsplanes beruht.

Sie planen Balkone über einer Tiefgaragenausfahrt, Kinderzimmer mit einer Breite von nur 2m, reihenhausähnliche Wohnungen mit Grundrissbreiten von 4,3 m, Fenster unter der Südwestecke des Baukörpers an der Darmstädter Straße, die Wohnungen belichten sollen.
Das sind nur einige wenige Punkte, die Ihre Planung betreffen. Viele weitere finden Sie in den Einwendungen zu dem Bebauungsplan.

Das führt dazu, dass wir das städtebauliche Konzept nicht nachvollziehen können und nicht für richtig halten. Auch die technische Durchdachtheit Ihres gesamten Vorhabens und eine Vermietbarkeit wie von Ihnen gewünscht im geplanten Segment zweifeln wir an.

Sie könnten sich die Anregungen der Bürgerinitiative zunutze machen, statt sie abzuwerten. „Alles auf den Tisch, alle an einen Tisch“ – dieses Motto von Heiner Geißler (für Stuttgart 21) könnte Ihr Motto werden – wenn Sie es wollen!

Abschließend möchten wir betonen, dass wir von der Planung nicht unmittelbar und nachbarschaftlich betroffen sind – wir wohnen mehrere 100 Meter von der Ortsmitte entfernt.

Mit freundlichen Grüßen
Zwei Bickenbacher Bürger


(Der Bürgerinitiative sind die Personen bekannt. Aus Gründen des Schutzes veröffentlichen wir das Schreiben anonym).