Exklusive Etagenwohnungen

Es ist etwas verwunderlich, dass sich der Bebauungsplan zum Projekt „Neue Mitte“ noch im Entwurf befindet, Gutachten im Hintergrund laufen und eine Beschlussfassung frühestens im Herbst erfolgen kann, gleichzeitig aber das Projekt vom Investor schon (wieder) beworben wird.

Immerhin mit dem Eingeständnis, dass es sich um EXKLUSIVE Eigentumswohnungen handeln wird, also nicht um Wohnungen für „Jung und Alt“.

Die Rendergrafik auf der werbenden Webseite ist weder bezüglich Perspektive, Abstände noch Höhe korrekt. Die Treppenhäuser und Fahrstühle zwischen den Häusern, welche die eigentlichen Gebäude ja auch in Höhe überragen werden, vermissen wir komplett.

Im Herbst 2016 wurde das Projekt schon einmal beworben. Damals mit Angabe von Verkaufspreisen ab 2.950.- EUR/m².

Wir fragen uns, ob die Gemeinde noch die Kontrolle über den Investor und das Projekt hat!

 

Treffen mit der SPD Fraktion

Die BI Ortsmitte Bickenbach hatte am Montagabend die Gelegenheit, der Einladung der SPD Fraktion für einen Austausch zum Thema „Neue Mitte“ wahrzunehmen.

Anhand des von uns angefertigten maßstabsgetreuen Modells konnten wir das Bauvorhaben und dessen Dimensionen mit den Fraktionsmitgliedern diskutieren und einige Aspekte, die gegen das Projekt in der jetzigen Form sprechen, vortragen.

Seitens der SPD Fraktion will man die von der BI vorgetragenen Argumente intern beraten.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei der SPD Fraktion für die Einladung und Bereitschaft, einen Dialog zu diesem wichtigen Thema zu führen.

 

Kunstgriffe

Was tun, wenn eine Projektplanung vielleicht nicht ganz den Vorgaben des Gesetzgebers entspricht? Kreativ sein! Aber der Reihe nach…

Ein Investor will in Bickenbach rund 50 Wohneinheiten bauen, auf 6000 m². Aus diesem Grund (und aus keinem anderen) soll der Bebauungsplan geändert werden. Soweit bekannt.

Nun ist aber auch bekannt, dass rund 50 Wohneinheiten auf 6000 m² eine Dichte von über 80 Wohneinheiten pro Hektar ergibt. Das erlaubt der Gesetzgeber für einen Ort wie Bickenbach aber nicht, egal wie man Bickenbach auch einkategorisiert.

Was tut der Planer also in seiner Not? Einer der Möglichkeiten die Bebauungsdichte zu verringern ist die Fläche zu vergrößern. Gesagt getan, der Geltungsbereich des B-Plans wird fast verdoppelt und zwar um Flächen, die fix und fertig bebaut sind und keinerlei Änderung eines B-Plans erfordern. Bei dieser Gelegenheit werden diese, in der historischen Bachgasse gelegenen Grundstücke von Dorf- in Mischgebiet geändert (alle anderen bleiben wie sie sind). Die offizielle Begründung? Es könnte sich sonst wieder Landwirtschaft ansiedeln mit negativen Auswirkungen auf die Anwohner. Kein Scherz! Das steht so in der schriftlichen Begründung.

 

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Hervorgehoben die für das Projekt neu zu bebauende Fläche, etwas blasser im Hintergrund der erweiterte Geltungsbereich, in dem Bestandsgebäude stehen (inklusive eines neuen Baufensters, jedoch unabhängig vom Projekt). In Summe ca. 11.000 m², davon fallen ca. 6000 m² auf das neue Projekt.

 

Wenn überhaupt wäre es stimmig gewesen, den Bebauungsplan von 1993 in Gänze zu ändern. Das hätte aber vermutlich einen Haken – zumindest für den Investor. Die Gesamtfläche würde zu groß und die Marke von 20.000 m² knacken – Eine Voraussetzung für das so genannte “beschleunigte Verfahren”.

 

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Der noch rechtskräftige Bebauungsplan von 1993 mit der „Grünen Lunge“ Bickenbachs. Schön zu sehen sind die vielen existierenden Baufenster, die man vernünftig entwickeln könnte.

 

Nun muss man diese kreative Idee dem richtigen Netzwerk in Verwaltung und Politik noch passend erklären und schon hat man ein Problem weniger. Nun, auch die verbleibende Bebauungsdichte ist, je nach Blickwinkel, noch zu hoch und verstößt nach Ansicht der BI gegen den Regionalplan Südhessen. An der Sache ändert das nichts: Es sollen auf 6000 m² rund 50 neue Wohneinheiten im Ortskern von Bickenbach gebaut werden.

 

Kreative Projektberatung

Neben der Gemeinde Bickenbach und dem bereits vorgestellten Investor gibt es noch weitere Mitspieler im Hintergrund. Natürlich darf für ein so wichtiges Projekt ein Projektberater nicht fehlen! Ob sich dieser für die Interessen der Gemeinde oder des Investors einsetzt oder gar für beide und ob das einen Unterschied macht, wissen wir nicht so genau.

Die Ursprungsplanung für das Projekt aus dem Juli 2015 trägt auf jeden Fall die Signatur des Projektberaters. Zu dieser Zeit noch in Partnerschaft mit dem für den Investor tätigen Architekten. Aber sei es drum…

Interessant sind auf jeden Fall einige Kernaussagen auf der Webseite des Projektberaters. Wir möchten zitieren:

 

Durch meine früheren Tätigkeiten bestehen umfangreiche professionelle Kontakte zu Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik. Diese Ressourcen kann ich effizient, kreativ und nachhaltig in Ihrem Interesse einsetzen

 

Ich sorge für eine schnellstmögliche Aktivierung, Optimierung und rechtsverbindliche Sicherung der baulichen Nutzung von Grundstücken mit nicht ausgeschöpftem Entwicklungspotential:

  • Vorhaben mit sachlichen und oder genehmigungsrechtlichen Problemen
  • Vorhaben mit hohem Abstimmungs- und Koordinationsbedarf
  • Vorhaben ohne ausreichende Akzeptanz der Entscheidungsträger

 

Wie gesagt, in welchem Interesse diese Projektberatung Netzwerke kreativ nutzt, um die konkreten sachlich- und genehmigungsrechtliche Probleme mit eventuell wenig Akzeptanz bei Entscheidungsträgern zu aktivieren, bleibt uns noch unklar. Ob es die Interessen der Bürgerinnen und Bürger Bickenbachs sind, ist zumindest fraglich.

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn ein gleiches Maß an Kreativität in die eigentliche Planung des Projektes eingeflossen wäre, anstatt diese wertvolle Energie zu nutzen, um ein Projekt durchzusetzen, welches, wie man es auch dreht und wendet, nicht in die Ortsmitte Bickenbachs passt. Zeit genug dafür wäre gewesen.

 

Stadtplanung und Klimawandel

Ein interessanter Artikel aus dem Darmstädter Echo zum Thema Stadtplanung in Bezug auf den Klimawandel.

Was in Darmstadt vorausschauend analysiert wird, wird in Bickenbach voraussichtlich schon bald nicht mehr möglich sein.

Zusammenhängende Grünflächen innerhalb des Ortes sind wichtig – nicht nur für Flora und Faune sondern auch für die Menschen. Sorgen diese Flächen doch für ein gutes Kleinklima innerhalb der Ortschaft.

Vorbereitung auf Klimawandel