Verkehr und mehr! Mehr Verkehr?

Viel diskutiert, aber sicherlich nicht bis zu Ende: Der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt der B3 durch Bickenbach. Kurz die Fakten in Bezug auf das Bauvorhaben „Neue Mitte“:

Der Investor hat einen Verkehrsgutachter damit beauftragt, die Leistungsfähigkeit der B3 im Bereich der „Neuen Mitte“ aufgrund des neu entstehenden Verkehrsaufkommens sowie die Ein- und Ausfahrt seiner neuen Tiefgarage zu untersuchen. Dazu wurden Annahmen getroffen und die Leistungsfähigkeit berechnet. Die Berechnung wurde auf Basis der getroffenen Annahmen seitens Hessen Mobil für ordnungsgemäß befunden. Die Annahmen an sich wurden seitens Hessen Mobil jedoch nicht geprüft!

Aus Sicht der BI war die Aufgabenstellung für das Verkehrsgutachten nicht vollständig. Im öffentlich zugänglichen Gutachten wurde lediglich gemäß Aufgabenstellung die Leistungsfähigkeit der Bundestraße B3 in Zusammenhang mit den Ein- und Abbiegevorgängen in die August-Bebel-Straße sowie in die Tiefgarage berücksichtigt.

Bei einer vernünftigen, realistischen Verkehrsbetrachtung spielen aber viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle, die aus unserer Sicht derzeit keinen Eingang in die gesamtheitliche Betrachtung finden. Verkehr besteht aus weitaus mehr… unter anderem auch aus Fußgängern und Radfahrern.

  1. Es ist unklar, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in diesem Bereich berücksichtigt wurde, um die grundsätzliche Leistungsfähigkeit zu berechnen. Es finden sich in der (öffentlich zugänglichen) Version des Gutachters keine Hinweise darauf.
  2. Bereits jetzt wird die Fahrbahn regelmäßig durch Kurzparker verengt, mit erheblichem Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Wurde das berücksichtigt? Oder wird das eingeschränkte Halteverbot entlang der Bestandsgeschäfte zukünftig entfallen?
  3. Ebenso wie die neue Tiefgarage muss der vorhandene Rathausparkplatz mit in die Betrachtung einbezogen werden, da auch dieser erhebliche Ein- und Abbiegevorgänge verursacht. Das gilt analog zu weiteren Parkflächen im näheren Bereich des Bauvorhabens sowie die Seitenstraßen.
  4. Westlich des Bauvorhabens gibt es eine Überquerungshilfe für Fußgänger, welche zu berücksichtigen ist. Östlich gibt eine Fußgängersignalanlage, welche ebenfalls zu berücksichtigen ist.
  5. Eine Berücksichtigung der bestehenden Bushaltestellen können wir dem Gutachten ebenfalls nicht entnehmen.
  6. Die neuen Kurzzeitparkplätze verursachen Ein- und Ausparkvorgänge. Aufgrund der Art der Parklätze werden diese Einparkmanöver in vielen Fällen rückwärts sein. D.h. die Fahrzeuge müssen auf der B3 komplett anhalten um einparken zu können.
  7. Das Ein- und Aussteigen auf den neuen Kurzzeitparkplätzen kann zu Verkehrsbeeinträchtigungen führen. Fahrertüren öffnen zur Straßenseite und gefährden Radfahrer oder sich selbst. Beifahrertüren öffnen in die Arkaden hinein.
  8. Zulieferverkehr wird neu entstehen, inklusive Ein- und Ausladevorgängen.
  9. Zur Versorgung gehört auch die Entsorgung. 50 neue Wohneinheiten sowie das Gewerbe werden wöchentlich mit Abfallbeseitigung bedient. Da Entsorgungsfahrzeuge nicht in die Tiefgarage einfahren können, werden diese vermutlich im Straßenbereich anhalten müssen. Bei so vielen Wohneinheiten vermutlich für recht lange Zeit.

 

Auch hier gilt wieder, dass die BI einer Entwicklung nicht entgegensteht und auch bei einer alternativen Planung Lösungen her müssen. Es ist aber wichtig, sich über solche Dinge Gedanken zu machen bevor man eilig Beschlüsse fasst, die dann unumkehrbar sind.
Bisher wurden Einwendungen in dieser Richtung seitens der Gemeinde ignoriert und in der jetzigen Beschlussfassung beharrlich auf das vorliegende Gutachten verwiesen.

Über das Thema Baustelle werden wir separat einen Beitrag verfassen. Auch da spielt das Thema „Verkehr“ eine wichtige Rolle. Erfahrungen damit hat Bickenbach ja bereits, wenngleich in einem weitaus geringerem Ausmaß als das, was durch die „Neue Mitte“ droht.

 

 

Treffe mit Rene Kirch und Armin Zeißner

Wir möchten uns bei Herrn Rene Kirch sowie Herrn Armin Zeißner (beide CDU) für das heutige Gespräch zum Thema „Neue Mitte“ bedanken, welches bereits im Rahmen unserer Luftballonaktion vereinbart wurde.

Wir konnten im Rahmen dieses konstruktiven Gesprächs viele Argumente austauschen und unsere Kritikpunkte hinsichtlich der jetzigen Planung sowie mögliche Alternativen diskutieren.

Ob man seitens der CDU Fraktion nochmals das Gespräch mit der BI Ortsmitte Bickenbach führen möchte, wird CDU-intern beraten werden müssen.

Seitens der BI stehen wir nach wie vor allen Fraktionen für Gespräche offen.

 

Bild könnte enthalten: 2 Personen, Personen, die lachen, Personen, die stehen, im Freien und Natur

Planung mit Tiefgang

Vorsorgender Bodenschutz: Wissen für die Praxis

Wer sich einmal näher mit den Vorgaben und Hinweisen des Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum Thema Innenentwicklung vs. Erhalt von Grünflächen auseinander setzen möchte, findet unter folgendem Link einenen interessanten Leitfaden.

https://umwelt.hessen.de/…/bod_40seiter_planung_160801_v15_…

Auch die für Bickenbach zutreffende Fragestellung „Mehr Grünflächen konkurrieren mit der Innenentwicklung?“ wird hier aufgegriffen.

Lesenswert, vor allem für die Entscheidungsträger in der Gemeinde.

Planung mit Tiefgang

 

Alternative Fakten!

Wir wollen an dieser Stelle die Darstellungsweise seitens des Investors betrachten.

Die BI Ortsmitte Bickenbach hat bereits Anfang Juni ein Modell des Areals inklusive der Nachbarbebauung vorgestellt. Dieses Modell ist maßstabsgetreu und wurde auf Basis von Katasterplänen und dem zur Debatte stehenden B-Plans erstellt. Um bei den Maßen sicher zu gehen, wurden die Höhen an den Gebäuden gemessen.

Im Gegensatz dazu wird seitens des Investors die geplante Bebauung nicht nur ungenau und lückenhaft sondern auch falsch dargestellt. Bei einem Projekt mit diesen Ausmaßen ist das mehr als unzulänglich. Auf Basis dieser Information muss die Gemeindevertretung den Bebauungsplan beschließen!

Das folgende Bild zeigt ein hastig erstelltes Modell des Investors, welches die „naturnahe“ Einbindung des Projektes in dessen Umgebung zeigen soll. Die Bäume zwischen den neuen Gebäuden stehen übrigens in den Rettungswegen sowie in für Kraftfahrzeuge zugänglichen Bereichen (sinngemäß aus dem B-Plan zitiert). Hier werden keine Bäume stehen!

 

Die Dachformen und Höhen weichen in der Darstellung des Investors deutlich von der Realität ab. Es wird suggeriert, dass die umgebenden Gebäude in Höhe und Form der geplanten Bebauung entsprechen. Die das Rathaus und den Rathausplatz umgebenden alten Gebäude sind in dieser Darstellung annähernd so hoch wie das Rathaus… Ist das wirklich so?

 

Die Rendergrafik mit der Ansicht des Gebäuderiegels entlang der Darmstädter Straße vermeidet absichtlich die Darstellung der Anschluss- und Bezugspunkte zur Nachbarbebauung und überdeckt diese Bereiche mit dichten Bäumen. Der Straßenraum wird sehr breit dargestellt. Die Perspektive ist so gewählt, dass der Gebäuderiegel deutlich niedriger als das Rathaus wirkt.

 

Im Schnitt wird die Nachbarbebauung mit falschen Höhen dargestellt und suggeriert, dass hier ein nahtloser Übergang geschaffen werden soll.

 

Folgendes Bild zeigt im Hintergrund die Hausnummer 14 (neben der Rose) mit 2 Vollgeschossen und Giebeldach, zu welchem der Übergang geschaffen werden muss.

Gasthaus „Zur Rose“ (wird abgerissen) und dahinter die Hausnummer 14, an welche angeschlossen werden muss

 

 

Auch das Rathaus wird in Bezug auf Höhe und Proportion nicht korrekt dargestellt. In dieser Darstellung wäre die Firsthöhe des Rathauses um ein gutes Stockwerk höher als die geplante Bebauung.

 

Man beachte auch hier wieder den mehr als großzügig dargestellten Straßenraum. Nach Abzug der Gehwege passen in dieser Darstellung gut und gerne 3 Autos nebeneinander auf die Straße (die aber nicht verbreitert wird).

Im B-Plan sind zwischen Rathauswand und Arkaden knapp 15m Abstand angegeben! Schauen Sie doch selbst mal beim nächsten Spaziergang (oder im Bild oben) nach, wie die Realität aussieht. Auf fast der gesamten Gebäudelänge ist der Abstand deutlich geringer und wird auch in Zukunft nicht mehr werden.

Die 15m Abstand zwischen den Gebäudefassaden werden – wenn überhaupt – nur auf Höhe des Rathauses mit der Bushaltestelle erreicht. Im B-Plan sind über 6m Breite für den Gehweg entlang der Bestandsgebäude angegeben. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fehlen übrigens die Kurzzeitparkplätze in dieser Schnittdarstellung.

 

 

Das entspricht nicht der Realität aber auf dieser Basis soll das Projekt entschieden werden! Einen Bebauungsplan auf Basis dieser Faktenlage zu beschließen halten wir für fahrlässig und vor allem unehrlich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern Bickenbachs!

Alternative Planungen

Soll es denn so bleiben wie es ist? Mit diesem Satz werden wir in Gesprächen recht häufig konfrontiert und es scheint einer der wichtigeren Argumente zu sein, das Projekt „Neue Mitte“ so schnell wie möglich umzusetzen.

Nein, natürlich soll es nicht so bleiben wie es ist! Die Intention der BI ist nicht, die Entwicklung des Areals zu verhindern. Unsere Intention ist es, die Gemeinde bei der Entwicklung eines Konzeptes zu unterstützen um ausreichend Wohnraum zu schaffen, den Forderungen der Regionalplanung hinsichtlich Innenentwicklung und Nachverdichtung nachzukommen und zugleich eine attraktive Ortsmitte zu gestalten, die sich in das Ortsbild von Bickenbach eingliedert.

Seit Herbst 2016 existiert z.B. seitens der Bundesstiftung Baukultur ein Leitfaden, wie innerörtliche Bebauung gestaltet werden kann. Das ist sicherlich ein erster Ansatz. Wer sich dafür interessiert, kann dies hier nachlesen.

Sicherlich ebenfalls eine gute Investition seitens der Gemeinde wäre eine Teilnahme an Angeboten z.B. der Architekten- du Stadtplanerkammer Hessen. Dort wird sehr konkret auf das Thema Zukunftsbild Wohnraum in mittel- und kleinstädtischen sowie ländlichen Räumen eingegangen.

Einige Beispiele für moderne, ortsangepasste Architektur in den nachfolgenden Bildern. Dies sind Architekturbeispiele für Gestaltungsmöglichkeiten und das Einfügen in die Umgebung. Die Bilder sind keine Vorschläge mit Bezug auf die konkrete Ortsmitte Bickenbach.