Bezahlbarer Wohnraum?

Seit einigen Tagen läuft nun schon unser Aufruf für einen Appell an die Gemeindevertretung mit dem Ziel, einen Beschluss des Bebauungsplans am 25. Januar 2018 auszusetzen und die Planung nochmals zu überprüfen. Bisher sind wir sehr zufrieden über die Rückläufe und es freut uns, dass sehr viele Bickenbacherinnen und Bickenbacher die aktuelle Planung, trotz des Wunsches einer Entwicklung des Areals, ebenso kritisch sehen. Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Gespräche und die rege Bereitschaft, sich an dem Appell zu beteiligen!

Wir haben als Reaktion auf unseren Appell zwar überwiegend Zuspruch bekommen, jedoch auch kritische Fragen. Einige Punkt möchten wir aufgreifen, da diese zeigen, wie die Informationspolitik der Gemeinde und des Investors funktioniert.

Wir wurden auf unseren Flyer gegen die Bebauung der Ortsmitte angesprochen! So wird das auch seitens der Gemeinde dargestellt: Einige wenige Bürger wären gegen eine Bebauung. Es geht nicht um das „Für“ oder „Wider“ einer Bebauung sondern um das „Was“ und „Wie“. Weder die Bürgerinitiative noch sonstige Interessengruppen haben sich jemals gegen eine Bebauung der Ortsmitte ausgesprochen.

Es wurde in einer E-Mail der Kontext hergestellt, dass ja bezahlbarer Wohnraum benötigt wird und deshalb dicht bebaut werden müsse, um jungen Familien Platz zu schaffen!

An diesem Thema (bezahlbarer Wohnraum) haben sich Komm,A und anfänglich SPD gegen den Widerstand von CDU und FDP aufgerieben und sich letztendlich nicht durchsetzen können. Bezahlbarer Wohnraum ist in der aktuellen Planung nicht ansatzweise Vorgesehen. Die Verkaufspreise der „exklusiven Etagenwohnungen“ werden ab 3.000 EUR/m² beginnen (so bereits im September 2016 inseriert).

Sofern die Wohnungen vermietet und nicht selbst genutzt werden, kann man sich relativ schnell über die üblichen Mietrenditen einen zu erwartenden Mietpreis errechnen. Dieser wird sich sicherlich bei 13-16 EUR/m² einpendeln, je nach herangezogener Mietrendite (3-5%). Dazu kommen noch die Stellplatzkosten. Es ist nicht anzunehmen, dass ein Investor eine sehr teure Tiefgarage umsonst dazugibt… Die Penthouse-Wohnungen werden vermutlich noch teurer verkauft/vermietet werden.

Zur Dichte haben wir schon vielfach geschrieben und wir sind weiterhin der Überzeugung, dass eine Dichte von 91 Wohneinheiten pro Hektar bei weitem zu viel ist. Das sind Werte vergleichbar für Projekte in Darmstadt oder Frankfurt!

Gernsheim, Groß-Umstadt und auch Bensheim ziehen hier mit maximal 50 Wohneinheiten pro Hektar deutlich geringere Werte für deren Planungen heran – das sind aber Mittelzentren! Warum also muss Bickenbach als Kleinzentrum, als Dorf mit 6.000 Einwohnern, derart über das Ziel hinausschießen – wieder einmal?

Sind 30-35 Wohneinheiten nicht völlig ausreichend? Böte das nicht den Vorteil, deutlich offener (und niedriger) bauen zu können, mit einer deutlich kleineren Tiefgarage? Böte das nicht Möglichkeiten, mehr unversiegelte Grünfläche zu erhalten und somit z.B. das Problem mit dem Regenwasser besser und verträglicher in den Griff zu bekommen? Könnte man nicht moderne Bebauung mit klassischen Elementen wie Giebeldächern kombinieren? Für die Gemeinde hätte dies ausschließlich Vorteile! Das ganze kann nach wie vor umgesetzt werden. Man muss dazu nicht einmal den B-Plan in Gänze wieder auf den Kopf stellen. Eine entsprechende alternative Planung kann in 6 Monaten über die Bühne laufen. Länger hat der Investor bisher auch nicht für seinen Plan benötigt.

All diese Punkte wurden im Übrigen bereits in vielen Gesprächen mit der Gemeindevertretung erörtert – und ignoriert!

Eine weitere Verzögerung bedeute Verschwendung von Geld. Sicher, eine Überprüfung der Planung ist nicht gänzlich umsonst zu haben. Wichtig ist zu wissen, dass unsere Gemeinde hierfür nicht bezahlt sondern die Kosten durch den Investor getragen werden müssen. Die Gemeinde muss alleinig den Rahmen definieren, wieviel und in welcher Form gebaut werden soll. Das ist ihr Recht und ihre Pflicht! Die Kosten für eine Überplanung sind im Vergleich zum Projektvolumen sehr gering und vertretbar. Und: Es ist sicher keine Verschwendung, für die Zukunft Bickenbachs Geld in die Hand zu nehmen!

Es gibt nicht viele Gemeinden mit der Größe Bickenbachs, die die einmalige Chance erhalten, ihre Ortsmitte für die kommenden Generationen neu zu gestalten. Wir haben die einmalige, nicht wiederkehrende Chance zu bestimmen, ob Bickenbach ein hochverdichtetes Durchfahrtsdorf wird oder eine offene, attraktive Ortsmitte erhält, die auch zum Verweilen einlädt und somit den ganzen Ortskern beleben kann. Ob dunkle Arkaden unter fast 14m hohen Gebäuden in einer engen, fast 90m langen Häuserschlucht das ist, was Bickenbach zur Belebung der Ortsmitte braucht, kann, ja muss man in Frage stellen!

 

Schlossallee_rot

Darstellung des Investors. Durch die BI sind lediglich die Gebäude des Projektes zur besseren Erkennung rot eingefärbt worden.

 

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