Müssen wir uns von der Furt in der Steingasse/Bachgasse verabschieden?

Ein Kommentar von Marc-Andre Lyachenko

  • Antrag für den Umbau der Furt an der Ecke Steingasse/Bachgasse
  • Geplant ist eine geschlossene Rinne
  • 20.000 EUR im Haushalt für Umbau vorgesehen

 

Verschiedene Medien und auch die BI hatten über diese Diskussion bereits berichtet, die nach der Vereisung der Furt in diesem Winter aufkam. Nun soll die Furt an der Ecke Steingasse/Bachgasse umgebaut werden. Geplant ist, eine geschlossene Metallrinne in die Furt einzulassen, durch die zukünftig das Wasser fließen wird.

Furt

Das Problem ist an sich nicht neu, schließlich gibt es an dieser Stelle nicht erst seit gestern eine Furt. In der Vergangenheit behalf sich die Gemeinde damit, dass sie den Bachlauf schlicht über die Wintermonate abriegelte, so dass kein Wasser mehr floss. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) hat dies jedoch untersagt (da schlicht nicht erlaubt).

Als Anwohner (und Bauingenieur) habe auch ich mir so meine Gedanken gemacht und versucht zu verstehen, was ein Umbau letztendlich bedeutet bzw. was er bringt. Ob ein Umbau überhaupt möglich ist, ist wieder eine andere Frage, handelt es sich bei diesem gesamten Bereich doch um ein Flächendenkmal.

Aber selbst wenn man es dürfte, wie hoch ist der Aufwand und was bringt es?! Löst es das Problem? Kommen neue Probleme hinzu? Gibt es Alternativen?

Übertragen auf die benannte Furt, gibt es aus meiner Sicht eine Reihe von Problemstellungen, die untersucht und abgewogen werden müssten. Einige mal aufgelistet:

  1. Vereisung des Baches mit einhergehender Verstopfung durch Eis und das und Übertreten des Wassers sowie noch mehr Eis in Bach- und Steingasse. So passiert in diesem Jahr.
  2. Rutschgefahr für Fußgänger, insbesondere am Gefälle des Gehweges entlang der Bachgasse sowie auf dem Kopfsteinpflaster der Bachgasse/Steingasse.
  3. Rutschgefahr für Fahrradfahrer auf der Furt beim Einbiegen in die Steingasse bzw. Ausbiegen aus selbiger sowie für die jüngeren Fahrradfahrer, die auf dem Gehweg fahren dürfen.
  4. Für den motorisierten Verkehr stellt das Eis kein Problem dar, sofern nicht Punkt 1 eintritt.

 

Man muss an dieser Stelle vorweg nehmen, dass gemäß Berichterstattung im ECHO die UNB von Fall zu Fall bei Extremwetterlagen (betrifft Punkt 1 und 4) dem Abstellen des Wasserlaufes zustimmen kann. Somit wären diese beiden Punkte bereits gelöst, da eine Situation wie im letzten Winter auch ohne weitere Umbaumaßnahmen handhabbar ist.

Bleibt noch die Gefährdung des nicht motorisierten Straßenverkehrs durch „normales“ Eis, Punkte 2 und 3. Hier stellt sich die Frage, ob es eine erhöhte Gefährdung durch die Furt gibt und wenn ja, wie man diese in den Griff bekommt.

Versuchen wir mal, eine solche Rinne als Option hinsichtlich der Lösung der Punkte 2 und 3 zu betrachten:

  • In Extremwetterlagen (z.B. komplettes Einfrieren des Baches) würde die Gemeinde das Abstellen des Wasserlaufes bei den UNB beantragen. Es fließt kein Wasser, die Rinne bliebe leer und nutzlos.
  • Bei „normaler“ Eisgefahr (eben ein normaler Winter) würde vermutlich das Wasser durch die Rinne fließen. Die restliche Furt wäre scheinbar trockengelegt. Dennoch würde überfrierende Nässe entstehen (das Wasser ist noch da), das Kopfsteinpflaster sowohl in der Furt als auch in direkter Umgebung (Gehweg) wären vermutlich weiterhin rutschig, auch wenn weniger Wasser durch durchfahrende Fahrzeuge „verschleppt“ würde.
  • Die Metallabdeckung der Rinne würde eine Vereisung bilden. Die Gefahr für Fahrradfahrer wäre weiterhin bestehend. Es langt das Wegrutschen des Vorderrades auf einer solch vereisten Metallabdeckung.

 

Ich glaube, dass eine Rinne keine Entschärfung der Gefährdung von Fahrradfahrern und Fußgängern bewirkt. Zumindest nicht in dem Maße, dass man danach behaupten könnte, das Problem sei gelöst. Grundsätzlich entbindet eine solche Rinne weder Gemeinde noch Anwohner von Ihrer Verkehrssicherungspflicht. Kontrollieren, Räumen und Streuen wären weiterhin notwendig. Rinne hin oder her.

Welche negativen Auswirkungen wird eine solche Rinne haben:

  • Die Furt wäre dauerhaft in ihrem Erscheinungsbild und Charakter gestört
  • Bei Niedrigwasser, auch in warmen Jahreszeiten, bildet sich kein Wasser mehr in der Furt. Dieser „Spielplatz“ für Mensch und Tiere wäre nicht mehr vorhanden
  • Eine Rinne muss regelmäßig gewartet werden, zu allen Jahreszeiten. D.h. prüfen, öffnen und reinigen, von Zeit zu Zeit reparieren. Unrat (Abfall), Pflanzen, Ablagerungen etc. können die Rinne verstopfen. Die Metallabdeckung muss für Belastungen durch den Straßenverkehr fest verschraubt sein Wartungsarbeiten sind einigermaßen Aufwändig und können wiederum kurzzeitige Sperrungen zur Folge haben
  • Im Winter besteht die Gefahr, dass die Rinne vereist oder durch Eis und Schnee zugesetzt wird. Das Ursprungsproblem wäre wieder da, Wasser würde seinen Weg anderweitig suchen
  • Die Durchgängigkeit des Bachlaufes für Fische und andere Wasserlebewesen könnte beeinträchtigt werden

 

Sicherlich gibt es bei längerem Überlegen noch weitere Punkte, die gegen eine solche Rinne sprechen. Eventuell gibt es auch Argumente, die für eine Rinne sprechen. In Summe würde mich diese erste Abwägung jedoch nicht überzeugen, eine solche Umbaumaßnahme einzuleiten.

Nicht nur vom Aufwand her, sondern auch vom eigentlichen Ausmaß des Problems. An der Bergstraße haben wir doch vergleichsweise wenige Frosttage (Kern des Problems, vermutlich 2-3 Wochen pro Jahr, wenn überhaupt). D.h. der Aufwand, diese wenigen Tage vermeintlich durch eine Rinne in den Griff zu bekommen, steht nicht in Relation zu den Abstrichen, die für den Großteil der warmen Tage in Kauf genommen werden müssen.

Was also tun?

Wie gesagt, es geht im Regelfall um wenige Tage, an denen Eis und Schnee bzw. Bodenfrost an dieser Furt wirklich zu einer Gefahr werden kann (übrigens nicht nur dort). Vornehmlich für Fahrradfahrer und Fußgänger. Um hier ausreichenden Schutz bieten zu können, ist meiner Meinung keine Umbaumaßnahme erforderlich. Genauso wenig muss gleich die ganze Steingasse gesperrt werden. Eis und Schnee sind auf allen nicht geräumten Straßen und Gehwegen ein Problem.

  • Es wäre hilfreich, in den Wintermonaten deutliche Warnschilder aufzustellen, die vor der Rutschgefahr warnen und Fahrradfahrer zum Absteigen auffordern
  • Frühzeitiges Streuen von Splitt ist sicherlich hilfreich und eigentlich Teil der eh bereits vorhandenen Verkehrssicherungspflicht
  • Es wäre ein Versuch wert, für diese wenigen Tage vielleicht mit Antirutschmatten Abhilfe zu schaffen. Man kennt solche Matten aus Gegenden, die regelmäßig von strengen Wintern geplagt sind

 

Diese Maßnahmen könnten meiner Meinung nach (das muss nicht die einzige und schon gar nicht die einzig richtige Meinung sein) ohne allzu großen Aufwand durch die Gemeinde umgesetzt werden.

Die Furt, wie wir sie jetzt kennen und schätzen, könnte erhalten bleiben. Die Gemeinde könnte die Kosten für die Umbaumaßnahmen sparen. Für den Umbau sind bereits 20.000 EUR im Haushalt veranschlagt.

 

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