Die Fehler des Bürgermeisters und seine Illusionen

Bürgermeister Hennemann erklärt, sich bei dem Projekt Ortsmitte weit aus dem Fenster gelehnt zu haben

Im Artikel im Darmstädter Echo „Sehnsucht nach einer neuen Metzgerei“ vom 1.11.2018 erklärt Bürgermeister Hennemann zur Entwicklung des Einzelhandels seine Vorstellungen für Bickenbach (ECHO Artikel am Ende dieses Beitrages).

Er hofft auf eine Metzgerei und 3-4 Ladengeschäfte in dem geplanten Projekt der Schlossallee und erklärt: “wir haben uns bei dem Projekt ja sehr weit aus dem Fenster gelehnt“.

Sehr wohl! Er will auf eine Metzgerei hinwirken, meint die Kaufkraft der neuen Bewohner würde den Bestand einer Metzgerei sichern. Damit ein Einzelhandel in der Ortsmitte funktioniert, müssten die Bürger/innen allerdings auch in der Ortsmitte einkaufen. Bürgermeister Hennemann verkennt die Situation und macht bekannte Fehler.

Eine neu gestaltete Ortsmitte funktioniert nur und wird von den Bürger*innen nur dann angenommen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Rahmenbedingungen hat die Gemeinde in der Vergangenheit nicht geschaffen. Solange es keine Aufenthaltsqualitäten gibt, wird sich kein gewünschter Einzelhandel in der Ortsmitte ansiedeln oder halten können. Solange die Politik nicht versteht, dass der Durchgangsverkehr mit ca. 16.000 Fahrzeugen am Tag eines der Hauptprobleme ist und der Verkehrskollaps in der Ortsmitte erst recht droht, wenn die geplante Bebauung in der Ortsmitte kommt mit ihrem zusätzlichen Verkehrsaufkommen, der Ein- und Ausfädelung  aus der Tiefgarage sowie der engen Längsparker, wird es kein Einzelhandel riskieren, in der Ortsmitte zu investieren. Bürgermeister Hennemann erwähnt das hohe Verkehrsaufkommen in der Ortsmitte nicht einmal, beklagt aber die fehlenden Parkplätze. Sein Vorgänger erklärte bei der Sanierung der Darmstädter Straße schon einmal, angesprochen darauf, dass Parkplätze vergessen wurden, dass an einer Bundesstraße keine Parkplätze errichtet werden dürften. Das war damals falsch und es war damals schon unüberlegt gehandelt worden.

Bürgermeister Hennemann verweist auf fehlende Parkmöglichkeiten. Es gibt durchaus gute Beispiele mit funktionierendem Einzelhandel in Orten und Kleinstädten ohne Parkmöglichkeiten unmittelbar vor den Geschäften. Das funktioniert aber nur, wenn ein Ort interessant ist, lebenswert und attraktiv. Herr Hennemann unterliegt einer Illusion, wenn er glaubt, das Problem durch 11 längs angeordnete  Parkplätze und einer Tiefgarage an der vielbefahrenen Hauptstraße lösen zu können. Die Stellplätze an der Straße werden Chaos und nicht Besucherfrequenz erzeugen, die der Einzelhandel benötigt. Dazu müssen andere Konzepte her. Auch sollte man nicht glauben, dass der Investor die Tiefgarage als öffentliche Tiefgarage baut. Konsumenten werden nicht in einer Tiefgarage parken, nur  um ein paar Brötchen oder Wurst einzukaufen, erst recht nicht, wenn das Parken in der Tiefgarage bezahlt werden müsste. Dass die erwähnten 3-4 Händler die Mieten für die Stellplätze in der Tiefgarage neben Ladenmieten auch tragen werden, ist eher unwahrscheinlich und ein weiterer Punkt, der zeigt, dass es mit dem Einzelhandel so nicht funktionieren wird.

Es benötigt ein anderes Konzept! Wenn der Bürgermeister ernsthaft an einer lebendigen Ortsmitte interessiert ist, muss er umdenken. Sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen kann auch schief gehen!

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