HAT DIE SPD-BICKENBACH ETWAS GELERNT?

-Zur Veranstaltung Ortsentwicklung und Architektur-

Die Veranstaltung war ursprünglich als „Schulung“ für den Fraktionsvorsitzenden der SPD in der Gemeindevertretung Bickenbach, Herrn Schmöker, als Reaktion zu einer auf dieser Webseite geführten Debatte geplant. Wir hatten uns im weiteren Verlauf jedoch dazu entschieden, dieses wichtige Grundsatzthema auch der Öffentlichkeit zugänglich u machen und für den 24. Februar 2018 in den Bürgersaal des Rathauses eingeladen.

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Viele Bickenbacherinnen und Bickenbacher und einige Interessierte von außerhalb versammelten sich, um den Vortrag der Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach über Ortsentwicklung und Architektur und weitere fachliche Ausführungen des renommierten Frankfurter Architekten Stefan Forster zu hören.

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In der Aussprache wurden von den Anwesenden Fragen zu den Grundstücksverkäufen, dem Normenkontrollverfahren sowie zu dem Bauantragsverfahren der Investoren für die Bebauung in der Ortsmitte gestellt.

Die rücksichtslose Durchsetzung des Bebauungsplans zur Ortsmitte und die konzeptlose, viel zu sehr auf Einzelaspekte und Investoreninteressen ausgerichtete baulichen Entwicklungen wurden kritisiert.

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Der Fraktionsvorsitzende der SPD erklärte dazu, der neue Bürgermeister würde heute sicher anders bei der Ortsmitte verfahren, der Bürgermeister habe jedoch die Entscheidungen seines Vorgängers umzusetzen. Fakt ist jedoch, dass die SPD Fraktion in allen Phasen zu der von dem Investor vorgesehenen Planung stand und alle wesentlichen Bedenken von Bürgerinnen und Bürgern zurückwies.

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Zur Frage des Unterwertverkaufs von Grundstücken in der Ortsmitte erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende, dass er anderer Auffassung zum  Grundstückspreis sei, als der von der Bürgerinitiative eingeschaltete Sachverständige. Der Architekt Forster erläuterte dazu, ohne Details des Vorgangs zu kennen, dass ein Grundstückspreis im Wesentlichen durch die zulässige bauliche Ausnutzung zustande kommt. Herr Forster ist mit derlei Vorgängen bestens vertraut, ebenso viele Sachverständige. Die Gemeinde Bickenbach scheint die Wertermittlungsregeln und den begangenen Fehler aber nicht wahrhaben zu wollen. Zum Schaden der Gemeindekasse und seiner Bürgerinnen und Bürger. Der neue Bürgermeister kann sich nicht freisprechen. Er war frühzeitig informiert und hat dennoch die Verkäufe durchführen lassen.

Die Bürgerinitiative stellte Beispiele von in Bickenbach realisierten Baumaßnahmen vor, die sie auf eine fehlende Gesamtkonzeption für die Ortsentwicklung zurückführt und außerdem auf eine zu kritiklose Übernahme von Vorstellungen von Investoren und Bauträgern. Dem wurden alternative Beispiele gegenübergestellt. Grundtenor ist hierbei nicht die Einzelkritik an Objekten oder gar den dahinter stehenden Bauträgern sondern die Kritik an einem fehlenden Gesamtkonzept für die Ortsentwicklung, welches die Thematik rund um das Thema Architektur einbindet. Ein solches Konzept gab es vor vielen Jahren bereits einmal.

Projektname

Links Rechts

·        falscher Standort an der Bahn
·        „Trabantensiedlung“
·       wirkt als angefügter Fremdkörper
·        kein Grün

·        Es geht auch so!

 

Projektname

Links Rechts
·        falscher Standort an der Bahn
·        nicht in den Ort integriert
·        wirkt überdimensioniert
·        Es geht auch so!
·        Angemessene Größe und im Ort

Projektname

Links Rechts
·        verbaut durch Unterführung
·        schöne und wertvolle Vorfläche verbaut
·        Es geht auch so!

 

Projektname

Links Rechts
·        Zweckbau
·        wenig attraktiv
·        Es geht auch so!
·        Der Discounter verdient sein Geld mit guter Architektur

Projektname

Links Rechts
·        kaum erkennbar als Kindergarten
·        abgeschottet durch Stützmauern
·        keine kindgerechte Architektur

·        Es geht auch so!

 

Projektname

Links Rechts
·        Zu hoch
·        viel vergeudeter Platz für die Bewältigung und Unterbringung von Verkehr
·        kein Grün
·        Es geht auch so!
·        Angenehme Bauhöhen
·        halböffentliche Räume zum Verweilen
·        Grün

Projektname

Links Rechts
·        Falsches Konzept mit Arkaden für den Einzelhandel
·        Zu dicht an der Darmstädter Straße
·        Fügt sich nicht in das Ortsbild ein
·        Keine angemessene Architektur für den Ort! Eher geeignet für Düsseldorf!
·        Es geht auch so!

 

 

Der Architekt Forster empfahl der Gemeinde, die Fortschreibung des alten Ortsentwicklungskonzeptes, die Sicherstellung von öffentlichen Räumen, die zum Aufenthalt einladen und das Einfügen von Neubauten in die vorhandene Struktur, die durchaus eine innerörtlich Nachverdichtung nicht ausschließt. Damit werde ein Ort belebt. Ein facettenreicher Einzelhandel könne dann auch wieder gewinnbringend funktionieren. Die geplante Bebauung in der Ortsmitte passe dem Architekten zufolge nach Düsseldorf, nicht aber nach Bickenbach.

Die Bürgerinitiative beklagte weiterhin, dass der Bürgermeister keine Bürgerversammlungen durchführe zu so bedeutenden Themen wie der Finanzlage, zur Schaffung von Wohnraum, dem aktuellen Stand der Planung zur Ortsmitte und den Auswirkungen auf soziale Infrastrukturmaßnahmen wie Kita- und Schulplätze. Er lasse die notwendige Transparenz zu vielen Zukunftsthemen vermissen und trete in die Fußstapfen seines Vorgängers. Müllbehältnisse für Hinterlassenschaften von Hunden, eine „nette Toilette“ -übrigens gutes Beispiel und Ausdruck für die fehlgeplante Lage der Seniorenanlage- oder ein Grillplatz lassen sich leicht lösen, wenn ein Gesamtkonzept für den Ort vorliegt. Derlei Themen sollten nicht isoliert betrachtet schwerpunktmäßig bearbeitet werden.

Alles in allem aus unserer Sicht gelungene Informationsveranstaltung mit einer anregenden und zugleich konstruktiv geführten Diskussion. Ein guter Vorschlag aus der Bevölkerung war, ungeachtet der derzeitigen Situation zur Neuen Mitte, einen runden Tisch zu initiieren, um Möglichkeiten der gemeinsamen Lösungsfindung zwischen Investor, Gemeinde und Bürgerschaft erörtern zu können.

Herrn Schmöker danken wir für seinen guten Vorschlag, als Resultat dieser und der noch folgenden Veranstaltung seinerseits zum Thema Haushaltsrecht, dem Förderverein der Hans-Quick-Schule eine Spende zukommen zu lassen. Herr Schmöker hat seine Spende von 50,- EUR im Rahmen der Veranstaltung an die BI überreicht. Wir haben den Betrag wie vereinbart verdoppelt und bereits angewiesen. Die Spende wird zweckgebunden sein für Essensunterstützung an der Hans-Quick-Schule.

Bedauerlich finden wir, dass der Gemeindevorstand trotz dieses guten Zwecks und des öffentlichen Charakters der Veranstaltung beschlossen hat, der BI die Gebühren für die Nutzung des Bürgersaals in voller Höhe von 120,- EUR in Rechnung zu stellen.

 

Ergänzend der lesenswerte Artikel „EIN GESAMTKONZEPT FÜR DIE ORTSMITTE im Darmstädter Echo vom 2. 3. 2019.

Gesamtkonzept ECHO

Ortsentwicklung in den Medien

Vorab an dieser Stelle ein herzlichen Dankeschön an alle Besucher unserer Veranstaltung am zum Architektur + Ortsentwicklung am 28. Februar im Bürgersaal des Rathauses. Eine aus unserer Sicht gelungene Veranstaltung zu diesem wichtigen Thema und Auftakt für weitere Veranstaltungen der BI. Eine eigene Berichterstattung zu dieser Veranstaltung folgt in Kürze und war bisher aus zeitlichen Gründen nicht machbar.

Bei Interesse kann aber der Bericht des Fraktionsvorsitzenden der Komm,A Fraktion, Uli Koch, auf der Komm,A Webseite nachgelesen werden. Hier findet sich auch die Berichterstattung des ECHO zur Veranstaltung.

Auf unserer Veranstaltung wurde auch diskutiert, dass Bickenbach nicht alleine auf weiter Flur mit den typischen Problemen eines Dorfes in Verbindung mit zukunftssicherer Entwicklung dasteht. Wir sollten uns als Gemeinde anschauen, was andernorts gemacht wird und daraus lernen! Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden und vor allem sollten wir aus Fehlern lernen – sowohl aus eigenen Fehlern als auch aus Fehlern anderer.

Ein gutes Beispiel dafür, dass kleine Gemeinden aus der Spirale der Verödung (der Ortsmitten) herauskommen können, findet sich bei uns in Hessen, in Wanfried. Die Sueddeutsche Zeitung hat hierzu einen wunderbaren Artikel gebracht, der hier nachzulesen ist.

Ebenso sehenswert ist ein Beitrag im Bayrischen Rundfunk zum Thema Gesichtsverlust von (kleinen) Gemeinden. Es geht konkret um das Bestreben, Gemeinden in Bayern mit neuen Ortsmitten neues Leben einzuhauchen. Auch dieser Beitrag ist sehr sehenswert und ist in der Mediathek des BR abrufbar.