Sind wir nicht alle Nachbarn?

Kommentar eines weit entfernt wohnenden Nachbars der „Neuen Mitte“

Sehr geehrter Herr Petersmann,

ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten und sage Ihnen, es ist noch schlimmer. In Ihrer Planung gibt es reihenhausähnliche Wohnungsgrundrisse, die sogar nur eine Breite von ca. 3,9m haben. In der Breite ist dann noch eine Treppe nach oben angeordnet. Was sollen das für Wohnräume werden? Und dann noch schlauchähnlich mit einer niedrigen Raumhöhe.

In Ihren Zeichnungen war eine dünne Bodenplatte zu sehen. Kaum vorstellbar bei dem Projekt. Die Bodenplatte wird vermutlich um einiges stärker ausfallen mit entsprechendem Unterbau. Durch Ihre Doppelparksysteme notwendige Fundamente oder dickerer Bodenplatte kommen Sie dann doch womöglich in den Bereich des Grundwassers und müssen eine Wasserhaltung durchführen. Da werden Ihre wirklichen Nachbarn nicht sonderlich erfreut sein, wenn das Grundwasser abgesenkt werden muss oder Spundwände gerammt werden zur Wasserhaltung. Ganz davon zu schweigen, wo solches Wasser überhaupt hin soll…

In Ihren Zeichnungen für das Erdgeschoss gibt es ein paar Fenster. Bei dem Nahversorger Regale dann aber vor den Fenstern. Typische, aber schlechte Lösung. Solche Fenster werden dann zugeklebt. Wie unschön das aussieht, muss nicht beschrieben werden. Jedenfalls werden die Fenster Ad Absurdum geführt und hässlich wird es auch. Von wegen schöne neue Ortsmitte. Es benötigt eben eine ausgeklügelte und gute Planung, damit Nutzung und Qualität zusammen passen. Qualität wird in der Ortsmitte gebraucht. Es reicht nicht aus von der Schaffung einer „Neuen Mitte“ zu sprechen und nur Masse zu schaffen mit undurchdachten Wohngrundrissen und dicht stehenden Wohnriegeln. Ich werfe Ihnen vor, dass Sie nichts von dem Ort verstehen, an dem Ihr Grundstück liegt. Nicht glaubhaft ist, dass Sie eine „Neue Mitte“ schaffen wollen. Auch Ihr Projekttitel „Schlossallee“ trifft nicht zu. Sie schaffen eine schluchtähnliche Situation. Schauen sie sich mal Alleen an, die zu einem Schloss führen.

Auch unter Vermarktungsgesichtspunkten funktioniert Ihr Konzept vermutlich nicht. Ihre Mieterwartungen werden sich nicht erfüllen. Womöglich werden Sie im ersten Anlauf die Flächen sogar recht hoch vermieten. Die Probe aufs Exempel kommt aber recht schnell. Die Mieter werden sehr schnell die „Qualitäten“ ausmachen und nach Alternativen Ausschau halten. In der Region werden viele Wohnungen gebaut und kommen auf den Markt. Spätestens mit einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, werden sie mit Ihren Wohnungen in Schwierigkeiten geraten. Oder Sie müssen mit den Mieten runter. Was das bedeutet bei einer solchen Ballung von Wohnungen ist nicht auszudenken.

Ich wohne nicht in der Ortsmitte, sondern am Rand von Bickenbach. Bickenbach benötigt eine Ortsmitte, die als solche auch erkennbar und erlebbar ist. Eine riegelförmige Bebauung mit dicht an dicht stehenden Wohnblocks und einer Monostruktur aus vielen gestapelten Wohnungen erzeugt keine Ortsmitte. Bickenbach und Sie als Investor werden nur gewinnen, wenn Sie erkennen, dass eine Ortsmitte nicht durch das Stapeln von Wohnungen mit einer riesengroßen Tiefgarage und einem hohen völlig überdimensionierten Gebäuderiegel an der Straße, sowie dicht an dicht stehenden Wohnblocks in dem Innenbereich, entstehen kann. 

Mit freundlichen Grüßen

Ein Bickenbacher Bürger

(Der Name des Bürgers ist der Bürgerinitiative bekannt. Zum Schutz versöffentlichen wir das Schreiben anonym).               

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