Pressemitteilung

Stellungnahme der Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach zu dem Artikel im Darmstädter Echo „Ortsmitte erneut im Parlament“ vom 23.2.2021 und zu der Sitzung der Gemeindevertretung am 25. 2. 2021.

Schon seit fast 7 Jahren wird über die Bebauung der Ortsmitte in Bickenbach in gemeindlichen Gremien debattiert, ohne ernsthafte Einbindung der Bevölkerung oder gar Beteiligung. Es gab keine Debatte über die Planung der Ortsmitte mit der Bevölkerung oder den Versuch unter breiter Beteiligung der Bevölkerung gemeinsam nach guten Lösungen für die Gemeinde zu suchen.

Zunächst wurde die erste Konzeption des Investors als das Non plus Ultra von SPD, CDU und FDP bezeichnet. Mittlerweile gibt es eine neue Konzeption ohne Arkaden, weniger Geschäften, einer noch größeren Tiefgarage, noch mehr Wohneinheiten. Eine gepriesene stadtvillenähnliche Struktur ist nun erst recht nicht mehr erkennbar. Die Wohnblocks und der Gebäuderiegel an der Darmstädter Straße fügen sich nicht ein und sind Fremdkörper. Eine Verzahnung mit der Umgebung kann so nie eintreten.

Wie eine für den Ort angemessene Einfügung sein könnte, ist auf dem nachfolgenden Bild, das von sehr qualifizierten Architekten entwickelt wurde, zu sehen.

Die Offenlage des Bebauungsplans wurde nicht nur wegen früherer Verfahrensfehler notwendig, sondern auch wegen inhaltlicher Mängel und erneuten Änderungen des Investors. Nun wird der Bebauungsplan zum 4. Mal ausgelegt. Eine Reduktion der geplanten Bebauungsdichte, wie von Bürgermeister Hennemann in dem Artikel angegeben, wurde nicht vorgenommen, sondern nur das Maß der baulichen Dichte wieder auf das Maß zurückgenommen, das der Investor für sein Baukonzept benötigt. An den zulässigen baulichen Höhen wurde merkwürdigerweise nichts geändert, obwohl die Planung des Investors etwas niedriger sein soll.

Über 100 Bürgerinnen und Bürger haben sich die Mühe gemacht, schriftliche Einwendungen zu dem Bebauungsplan zu formulieren. Von Seiten des Bürgermeisters, den Parteien CDU, SPD und FDP gab es keinerlei Zugeständnisse oder Kompromissvorschläge zu den mehr als 300 Einwendungen. In den Sitzungen des Planungsausschusses und der Gemeindevertretung am 16.2.2021 und 25.2.2021 fanden keine Diskussionen zu den Einwendungen statt. Die Einwendungen wurden nahezu alle abgelehnt. Die Vorschläge des Investors, formuliert durch „sein“ Planungsbüro, wurden als Stellungnahme der Gemeinde abgenickt. Die angebliche Mehrheit der Bürger/innen, die laut der SPD hinter der Investorenplanung stünde, ist nicht erkennbar. Die Bürgerinitiative sieht eher, dass bei der Mehrheit der Bürger/innen noch viel Diskussionsbedarf besteht.

Wenig überzeugend ist die Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden, dass die über 400 Seiten Dokumente und der sehr komplexe Bebauungsplanentwurf in 12 Tagen von den Gemeindevertretern durchgearbeitet werden konnten.

Nach den Plänen des Investors entsteht durch den über 90 m langen Gebäuderiegel eine schluchtenähnliche Situation in der Darmstädter Straße. Auch das gegenüber gelegene schöne Jagdschloss wird in Mitleidenschaft gezogen. Entgegen der Darstellung des Investors entsteht kein breiter Boulevard, der zum Flanieren einlädt, sondern eine enge schwerwiegend verkehrsbelastete Situation, die keine Verbesserung für Fußgänger/innen und Radfahrer/innen ergibt. Über Staus bei Müllabfuhr, Anlieferung von Waren, Umzügen, Ein- und Ausfahrten aus der Tiefgarage ganz zu schweigen, ebenso über zu erwartende hohe zusätzliche Lärm- und Schadstoffbelastungen der künftigen Bewohner/innen und Anwohner/innen.

Wie die eng an die Darmstädter Straße herangerückte Baumasse sich tatsächlich darstellt, ist in der nachfolgenden Fotomontage zu sehen, die auf einer am Vormittag des 20.6.2020 gemachten Fotoaufnahme beruht und von versierten Architekten auf Grundlage der Maße aus dem Bebauungsplan erstellt wurde.

Aus Sicht der Bürgerinitiative ist die Niederschlagsentwässerung nicht gelöst. Durch die riesige Tiefgarage kann Regenwasser nicht natürlich versickern. Mit aufwändigen Konstruktionen sollen Stauräume bei Starkregen auf dem Gelände geschaffen werden. Zu befürchten sind voll laufende Keller und Überschwemmungen in der Umgebung oder hohe Betonmauern und Schwellen an Zugängen , die in den Darstellungen des Investors nicht zu finden sind. Eine Instandhaltung der Entwässerungseinrichtungen ist durch die hochdichte Bebauung kaum möglich.

Als äußerst bedenklich und gefährlich sieht die Bürgerinitiative die Situation im Brand- und Gefahrenfall. Die Feuerwehrzufahrt soll an der Stelle sein, an der die geplante Außengastronomie ihren Platz finden soll. Es wird auch bezweifelt, dass große Fahrzeuge (z.B. Feuerwehrfahrzeuge) durch die geplanten Gebäudestützen hindurch passen.
Parkplätze für Behinderte, Parkplätze entlang der B3, die sogar die Polizei als sicherheitsgefährdend ansieht, Bäume, die auf einer Tiefgarage gepflanzt werden sollen, sind weitere ungelöste Punkte.

Die Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach plädiert für eine angemessene und an das ortstypische Aussehen angepasste Planung. Eine solche Möglichkeit wurde von den Parteien SPD, CDU, FDP und dem Bürgermeister nie in Erwägung gezogen. Obwohl die Planungshoheit bei der Gemeinde liegt, bestimmt der Investor ein so wichtiges, ortsbildprägendes Bauprojekt. Eine umweltverträgliche, nachhaltige auf breiter Basis gefundene, sich in die Ortsmitte einfügende Lösung wäre ein großer Gewinn für Bickenbach.

Bickenbach, den 28.2.2021

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