WER BRAUCHT SCHON EINEN GARTEN, WENN ER DAS PENTHOUSE HABEN KANN

Dieser sinnhafte Spruch steht auf einem Werbebanner an der abgesperrten Grundstücksfläche in der Ortsmitte in Bickenbach.

Es ist der typische Versuch eines Investors, sein Bauvorhaben schön zu reden. Nichts daran ist wahr. Viele Besitzer oder Nutzer können eine Lied von ihren Penthäusern singen, von Schimmel, Wassereintritten, Undichtigkeiten, langwieriger Ursachenforschung, Ärger mit Handwerkern, Planern und Projektentwicklern, teuren Sanierungsversuchen, Rechtsstreitigkeiten und unbefriedigenden Ergebnissen.

Da sagt keiner mehr Penthäuser, oh wie wunderbar. Und natürlich haben Penthäuser in keiner Weise die Qualität eines Gartens. Scheinbar glauben aber Bürgermeister, CDU, SPD und FDP mit dem Schlossallee-Projekt eine moderne und zukunftsgerichtete Bebauung in der Ortsmitte zu verwirklichen. Ein Trugschluss und fatal, da im wahrsten Sinne des Wortes etwas zementiert wird, das sich nicht mehr entfernen lässt. Fatal auch deshalb, da das Bauvorhaben völlig vorbei an den Erfordernissen, die an eine gut funktionierende Ortsmitte gestellt werden, entwickelt wurde. Es soll dort eine Wohnmaschine realisiert werden. Alles viel zu groß und zu massig.

Die Politik versteht nicht, dass es nicht reicht zu meinen, wenn der Markt es hergibt, wird es schon richtig sein.

Da wird von führenden Politikern propagiert, dass damit eine Versiegelung neuer Flächen im Außenbereich vermieden werde. Verschwiegen wird, dass stattdessen die massive Zerstörung eines (einstmals) in ökologischer und klimatologischer, wie auch das Ortsbild prägender Sicht wichtigen Grünzugs passiert. Was eine hohe Baudichte bedeutet, kennen wir aus Städten. In der Ortsmitte wird nun eine vergleichbare Dichte wie in Städten geplant. Völlig absurd, eine städtische Dichte in einem Ortskeren mit dörflicher Struktur zu realisieren. Rd. 6.000m² sollen mit Wohnblocks zugebaut werden. Bürgermeister, CDU, SPD und FDP in Bickenbach verschweigen, oder vielleicht wissen sie es auch nicht, dass in vielen Städten mit aller Macht versucht wird, im Innenbereich Flächen wieder zu entsiegeln, um neue Grünräume schaffen zu können. Etwa mit Tiny Gardening, Urban Farming, Miniwäldern und anderen ökologischen Konzepten wird versucht, das Wohlbefinden von Städtern zu verbessern und einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.

Ganz anders Bickenbach. Hier wird entgegengesetzt gearbeitet, so als gäbe es die Erkenntnisse aus den Folgen hoch verdichteten Bauens und dem Klimawandel nicht. Da wird nicht gegengesteuert, sondern versiegelt und zubetoniert, was das Zeug hält. Ein innerörtlicher in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzender Grünzug wurde komplett vernichtet, obwohl der Bebauungsplan aus dem Jahr 1993 noch immer Gültigkeit besitzt und dieser einst herrliche und wichtige Grünzug hätte geschützt werden müssen. In Bickenbach gehen die Uhren aber anders. Wenn die Kontrolle versagt, kann ein Investor machen, was er will. Der Grünzug war nicht nur ein Rückzugsort für allerlei Getier, sondern hatte auch eine wichtige Funktion für die Selbstversorgung, sorgte für Schatten und gute Luft in heißen Sommern, aber auch die soziale Komponente durch die hauptsächliche Nutzung als Garten darf nicht unterbewertet werden. Da war das Gespräch möglich über den Zaun mit dem Nachbarn. Man kannte sich eben. Der Bedarf an Gärten und gärtnerischer Betätigung ist riesig. In Darmstadt, um ein Beispiel zu nennen, wurden auf dem ehemaligen Hofgut Oberfeld Saisongärten angelegt. Die Nachfrage steigt unaufhaltsam und kann nicht bedient werden. Die Leute tauschen sich aus. Die Leute arbeiten gemeinschaftlich und helfen sich gegenseitig. Kinder werden an Natur- und Umweltschutz herangeführt. Und was passiert in Bickenbach, wo der Bürgermeister von einem städtischen Vorort spricht, als ob Bickenbach Vorstadt sein oder werden soll? Penthouse-Konzepte, auch die für die Ortsmitte, können Gärten nicht ersetzen. Sie leisten auch nicht annähernd etwas in diese Richtung. Ganz im Gegenteil sind auf Anonymität angelegt. Der typische Penthouse-Bewohner fährt in seine Tiefgarage, steigt in den Aufzug, fährt in das oberste Geschoss und verschwindet schnell in seiner Wohnung. Da gibt es kein Gespräch über den Zaun. Es wird in der Regel sogar alles unternommen, damit keine Interaktion stattfinden kann, oder nur in der Weise, dass der eine den anderen durch Lärm belästigt und stört, da solche Konzepte eben auch darauf beruhen, dass viele auf engstem Raum wohnen.

Ergeben wird sich eine hohe Mieterfluktuation.

Vor nunmehr 6 Jahren wurde das Schlossallee-Projekt der Gemeindeverwaltung, dem Parlament und der Bevölkerung als „Wohnen für Jung und Alt“ verkauft. Von diesem Konzept ist nichts mehr übrig. Auch nicht der immer wieder und bis zuletzt propagierte Metzger. Das „neue“ Konzept, was auch immer es verfolgen mag, wurde der Bevölkerung nie vorgestellt. Wer soll denn in der Neuen Mitten wohnen? Für junge Familien mit Kindern sicherlich zu eng und vor allem zu teuer. Für ältere Menschen ungeeignet und ebenfalls zu teuer. Wir jedenfalls können nirgends Intentionen erkennen, dass barrierefrei oder mindestens seniorenfreundlich geplant und gebaut werden soll. Selbst die mietpreisgebundenen Wohnungen mit Mietpreisen von knapp 10 EUR/m² liegen weit über dem landesweiten Durchschnitt für Wohnungen, die man als bezahlbar und geförderten Wohnraum definieren würde.

Wir fragen uns, wieso in Bickenbach, dass sich ja offenbar an städtischer Dichte orientiert und Vorstadt sein will, nicht auf die dort stattfindenden Entwicklungen zurückgreift und stattdessen sehenden Auges eine völlig überholte, veraltete und rückwärtsgewandte städtebauliche Richtung einschlägt.

Die Städte machen uns vor, wo es hingehen muss. Verhinderung von großflächiger Versiegelung, auch in innerörtlichen Quartieren, viel mehr Grün, weniger Autoverkehr und viel mehr öffentliche und private gut nutzbare Außenräume.

Bickenbach bewegt sich städtebaulich in eine völlig falsche Richtung.

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