Die Fehler des Bürgermeisters und seine Illusionen

Bürgermeister Hennemann erklärt, sich bei dem Projekt Ortsmitte weit aus dem Fenster gelehnt zu haben

Im Artikel im Darmstädter Echo „Sehnsucht nach einer neuen Metzgerei“ vom 1.11.2018 erklärt Bürgermeister Hennemann zur Entwicklung des Einzelhandels seine Vorstellungen für Bickenbach (ECHO Artikel am Ende dieses Beitrages).

Er hofft auf eine Metzgerei und 3-4 Ladengeschäfte in dem geplanten Projekt der Schlossallee und erklärt: “wir haben uns bei dem Projekt ja sehr weit aus dem Fenster gelehnt“.

Sehr wohl! Er will auf eine Metzgerei hinwirken, meint die Kaufkraft der neuen Bewohner würde den Bestand einer Metzgerei sichern. Damit ein Einzelhandel in der Ortsmitte funktioniert, müssten die Bürger/innen allerdings auch in der Ortsmitte einkaufen. Bürgermeister Hennemann verkennt die Situation und macht bekannte Fehler.

Eine neu gestaltete Ortsmitte funktioniert nur und wird von den Bürger*innen nur dann angenommen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Rahmenbedingungen hat die Gemeinde in der Vergangenheit nicht geschaffen. Solange es keine Aufenthaltsqualitäten gibt, wird sich kein gewünschter Einzelhandel in der Ortsmitte ansiedeln oder halten können. Solange die Politik nicht versteht, dass der Durchgangsverkehr mit ca. 16.000 Fahrzeugen am Tag eines der Hauptprobleme ist und der Verkehrskollaps in der Ortsmitte erst recht droht, wenn die geplante Bebauung in der Ortsmitte kommt mit ihrem zusätzlichen Verkehrsaufkommen, der Ein- und Ausfädelung  aus der Tiefgarage sowie der engen Längsparker, wird es kein Einzelhandel riskieren, in der Ortsmitte zu investieren. Bürgermeister Hennemann erwähnt das hohe Verkehrsaufkommen in der Ortsmitte nicht einmal, beklagt aber die fehlenden Parkplätze. Sein Vorgänger erklärte bei der Sanierung der Darmstädter Straße schon einmal, angesprochen darauf, dass Parkplätze vergessen wurden, dass an einer Bundesstraße keine Parkplätze errichtet werden dürften. Das war damals falsch und es war damals schon unüberlegt gehandelt worden.

Bürgermeister Hennemann verweist auf fehlende Parkmöglichkeiten. Es gibt durchaus gute Beispiele mit funktionierendem Einzelhandel in Orten und Kleinstädten ohne Parkmöglichkeiten unmittelbar vor den Geschäften. Das funktioniert aber nur, wenn ein Ort interessant ist, lebenswert und attraktiv. Herr Hennemann unterliegt einer Illusion, wenn er glaubt, das Problem durch 11 längs angeordnete  Parkplätze und einer Tiefgarage an der vielbefahrenen Hauptstraße lösen zu können. Die Stellplätze an der Straße werden Chaos und nicht Besucherfrequenz erzeugen, die der Einzelhandel benötigt. Dazu müssen andere Konzepte her. Auch sollte man nicht glauben, dass der Investor die Tiefgarage als öffentliche Tiefgarage baut. Konsumenten werden nicht in einer Tiefgarage parken, nur  um ein paar Brötchen oder Wurst einzukaufen, erst recht nicht, wenn das Parken in der Tiefgarage bezahlt werden müsste. Dass die erwähnten 3-4 Händler die Mieten für die Stellplätze in der Tiefgarage neben Ladenmieten auch tragen werden, ist eher unwahrscheinlich und ein weiterer Punkt, der zeigt, dass es mit dem Einzelhandel so nicht funktionieren wird.

Es benötigt ein anderes Konzept! Wenn der Bürgermeister ernsthaft an einer lebendigen Ortsmitte interessiert ist, muss er umdenken. Sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen kann auch schief gehen!

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Müssen wir uns von der Furt in der Steingasse/Bachgasse verabschieden?

Ein Kommentar von Marc-Andre Lyachenko

  • Antrag für den Umbau der Furt an der Ecke Steingasse/Bachgasse
  • Geplant ist eine geschlossene Rinne
  • 20.000 EUR im Haushalt für Umbau vorgesehen

 

Verschiedene Medien und auch die BI hatten über diese Diskussion bereits berichtet, die nach der Vereisung der Furt in diesem Winter aufkam. Nun soll die Furt an der Ecke Steingasse/Bachgasse umgebaut werden. Geplant ist, eine geschlossene Metallrinne in die Furt einzulassen, durch die zukünftig das Wasser fließen wird.

Furt

Das Problem ist an sich nicht neu, schließlich gibt es an dieser Stelle nicht erst seit gestern eine Furt. In der Vergangenheit behalf sich die Gemeinde damit, dass sie den Bachlauf schlicht über die Wintermonate abriegelte, so dass kein Wasser mehr floss. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) hat dies jedoch untersagt (da schlicht nicht erlaubt).

Als Anwohner (und Bauingenieur) habe auch ich mir so meine Gedanken gemacht und versucht zu verstehen, was ein Umbau letztendlich bedeutet bzw. was er bringt. Ob ein Umbau überhaupt möglich ist, ist wieder eine andere Frage, handelt es sich bei diesem gesamten Bereich doch um ein Flächendenkmal.

Aber selbst wenn man es dürfte, wie hoch ist der Aufwand und was bringt es?! Löst es das Problem? Kommen neue Probleme hinzu? Gibt es Alternativen?

Übertragen auf die benannte Furt, gibt es aus meiner Sicht eine Reihe von Problemstellungen, die untersucht und abgewogen werden müssten. Einige mal aufgelistet:

  1. Vereisung des Baches mit einhergehender Verstopfung durch Eis und das und Übertreten des Wassers sowie noch mehr Eis in Bach- und Steingasse. So passiert in diesem Jahr.
  2. Rutschgefahr für Fußgänger, insbesondere am Gefälle des Gehweges entlang der Bachgasse sowie auf dem Kopfsteinpflaster der Bachgasse/Steingasse.
  3. Rutschgefahr für Fahrradfahrer auf der Furt beim Einbiegen in die Steingasse bzw. Ausbiegen aus selbiger sowie für die jüngeren Fahrradfahrer, die auf dem Gehweg fahren dürfen.
  4. Für den motorisierten Verkehr stellt das Eis kein Problem dar, sofern nicht Punkt 1 eintritt.

 

Man muss an dieser Stelle vorweg nehmen, dass gemäß Berichterstattung im ECHO die UNB von Fall zu Fall bei Extremwetterlagen (betrifft Punkt 1 und 4) dem Abstellen des Wasserlaufes zustimmen kann. Somit wären diese beiden Punkte bereits gelöst, da eine Situation wie im letzten Winter auch ohne weitere Umbaumaßnahmen handhabbar ist.

Bleibt noch die Gefährdung des nicht motorisierten Straßenverkehrs durch „normales“ Eis, Punkte 2 und 3. Hier stellt sich die Frage, ob es eine erhöhte Gefährdung durch die Furt gibt und wenn ja, wie man diese in den Griff bekommt.

Versuchen wir mal, eine solche Rinne als Option hinsichtlich der Lösung der Punkte 2 und 3 zu betrachten:

  • In Extremwetterlagen (z.B. komplettes Einfrieren des Baches) würde die Gemeinde das Abstellen des Wasserlaufes bei den UNB beantragen. Es fließt kein Wasser, die Rinne bliebe leer und nutzlos.
  • Bei „normaler“ Eisgefahr (eben ein normaler Winter) würde vermutlich das Wasser durch die Rinne fließen. Die restliche Furt wäre scheinbar trockengelegt. Dennoch würde überfrierende Nässe entstehen (das Wasser ist noch da), das Kopfsteinpflaster sowohl in der Furt als auch in direkter Umgebung (Gehweg) wären vermutlich weiterhin rutschig, auch wenn weniger Wasser durch durchfahrende Fahrzeuge „verschleppt“ würde.
  • Die Metallabdeckung der Rinne würde eine Vereisung bilden. Die Gefahr für Fahrradfahrer wäre weiterhin bestehend. Es langt das Wegrutschen des Vorderrades auf einer solch vereisten Metallabdeckung.

 

Ich glaube, dass eine Rinne keine Entschärfung der Gefährdung von Fahrradfahrern und Fußgängern bewirkt. Zumindest nicht in dem Maße, dass man danach behaupten könnte, das Problem sei gelöst. Grundsätzlich entbindet eine solche Rinne weder Gemeinde noch Anwohner von Ihrer Verkehrssicherungspflicht. Kontrollieren, Räumen und Streuen wären weiterhin notwendig. Rinne hin oder her.

Welche negativen Auswirkungen wird eine solche Rinne haben:

  • Die Furt wäre dauerhaft in ihrem Erscheinungsbild und Charakter gestört
  • Bei Niedrigwasser, auch in warmen Jahreszeiten, bildet sich kein Wasser mehr in der Furt. Dieser „Spielplatz“ für Mensch und Tiere wäre nicht mehr vorhanden
  • Eine Rinne muss regelmäßig gewartet werden, zu allen Jahreszeiten. D.h. prüfen, öffnen und reinigen, von Zeit zu Zeit reparieren. Unrat (Abfall), Pflanzen, Ablagerungen etc. können die Rinne verstopfen. Die Metallabdeckung muss für Belastungen durch den Straßenverkehr fest verschraubt sein Wartungsarbeiten sind einigermaßen Aufwändig und können wiederum kurzzeitige Sperrungen zur Folge haben
  • Im Winter besteht die Gefahr, dass die Rinne vereist oder durch Eis und Schnee zugesetzt wird. Das Ursprungsproblem wäre wieder da, Wasser würde seinen Weg anderweitig suchen
  • Die Durchgängigkeit des Bachlaufes für Fische und andere Wasserlebewesen könnte beeinträchtigt werden

 

Sicherlich gibt es bei längerem Überlegen noch weitere Punkte, die gegen eine solche Rinne sprechen. Eventuell gibt es auch Argumente, die für eine Rinne sprechen. In Summe würde mich diese erste Abwägung jedoch nicht überzeugen, eine solche Umbaumaßnahme einzuleiten.

Nicht nur vom Aufwand her, sondern auch vom eigentlichen Ausmaß des Problems. An der Bergstraße haben wir doch vergleichsweise wenige Frosttage (Kern des Problems, vermutlich 2-3 Wochen pro Jahr, wenn überhaupt). D.h. der Aufwand, diese wenigen Tage vermeintlich durch eine Rinne in den Griff zu bekommen, steht nicht in Relation zu den Abstrichen, die für den Großteil der warmen Tage in Kauf genommen werden müssen.

Was also tun?

Wie gesagt, es geht im Regelfall um wenige Tage, an denen Eis und Schnee bzw. Bodenfrost an dieser Furt wirklich zu einer Gefahr werden kann (übrigens nicht nur dort). Vornehmlich für Fahrradfahrer und Fußgänger. Um hier ausreichenden Schutz bieten zu können, ist meiner Meinung keine Umbaumaßnahme erforderlich. Genauso wenig muss gleich die ganze Steingasse gesperrt werden. Eis und Schnee sind auf allen nicht geräumten Straßen und Gehwegen ein Problem.

  • Es wäre hilfreich, in den Wintermonaten deutliche Warnschilder aufzustellen, die vor der Rutschgefahr warnen und Fahrradfahrer zum Absteigen auffordern
  • Frühzeitiges Streuen von Splitt ist sicherlich hilfreich und eigentlich Teil der eh bereits vorhandenen Verkehrssicherungspflicht
  • Es wäre ein Versuch wert, für diese wenigen Tage vielleicht mit Antirutschmatten Abhilfe zu schaffen. Man kennt solche Matten aus Gegenden, die regelmäßig von strengen Wintern geplagt sind

 

Diese Maßnahmen könnten meiner Meinung nach (das muss nicht die einzige und schon gar nicht die einzig richtige Meinung sein) ohne allzu großen Aufwand durch die Gemeinde umgesetzt werden.

Die Furt, wie wir sie jetzt kennen und schätzen, könnte erhalten bleiben. Die Gemeinde könnte die Kosten für die Umbaumaßnahmen sparen. Für den Umbau sind bereits 20.000 EUR im Haushalt veranschlagt.

 

Flörsheim macht es vor!

Gutes Konzept für innerörtliche Entwicklung

  • Ziele hat Gemeinde bestimmt
  • Gemeinde hat städtebaulichen Wettbewerb durchgeführt
  • Gemeinde hat richtige Vorgehensweise gewählt
  • Auf das städtebauliche Konzept kommt es an. Es ist weitsichtig!

Ein Artikel aus dem Darmstädter Echo vom 12.6.2018 „Hof als Treffpunkt“. Bei dem Bild unten rechts werden Erinnerungen wach an unser Gasthaus ZUR ROSE, das leider nicht mehr steht.

Floersheim

 

Ortsmitte Monheim am Rhein!

Andere Kommunen machen es richtig – und haben sich Gedanken gemacht!

Es ist schon erstaunlich, wie sehr die (neue) Ortsmitte in Monheim am Rhein der Situation in Bickenbach ähnelt. Kürzlich hat das sehr renommierte Architekturbüro Ortner & Ortner das Gutachterverfahren für die Ortsmitte in Monheim am Rhein gewonnen.

„Moderne Städte brauchen heute eine starke ablesbare Mitte. Diese bietet alles, was man zum Leben benötigt. Die unverwechselbare Atmosphäre ist durch die Architektur und deren Materialität zu erzeugen.“

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Das Bild stammt direkt von der Webseite des Büros Ortner & Ortner und kann mit entsprechendem Begleittext hier gefunden werden.

Zum Vergleich, diesen Vorschlag hatten wir als BI der Gemeinde als Alternative für unsere Ortsmitte in Bickenbach unterbreitet:

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Dabei hat sich der Entwurf von Ortner & Ortner in einem langen Gutachterverfahren gegen andere Vorschläge durchgesetzt, welche eher dem ähneln, was jetzt in unserer Ortsmitte geplant ist.

Die Entwürfe für Monheim am Rhein im Vergleich kann man sich hier anschauen!

Eine Lehrstunde für unsere Gemeinde in Sachen Bauleiplanung kann man sich ebenfalls auf der Seite der Stadt Monheim am Rhein anschauen.

 

 

 

 

Die Zerstörung eines Dorfes – Teil 3

Von der neuen Ortsmitte in Bickenbach und dem Schlossallee-Projekt

Teil 3

Von Helmut Erzgräber-Lamm

  • Das bessere Konzept für die Ortsmitte
  • Die bessere Architektur für die Ortsmitte
  • Hohe Mieten und niedrige Grundstückspreise in der Ortsmitte

Vom Geschmack und guter Architektur 

Was unterscheidet gute von schlechter Architektur. Laien meinen, dass das lediglich eine Frage des Geschmacks sei. Gute Architektur ist aber mehr. Sie macht sich an vielen Kriterien fest. Die Elbphilhamonie in Hamburg, in kurzer Zeit zur Ikone avanciert und von den Hamburgern und weit darüber hinaus geliebt, war keine Geschmacksfrage, sondern von Fachleuten, der Stadt und Bürgern nach knallharten Kriterien durch sehr gute Architekten entworfen.

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Anders in Bickenbach. Das Projekt der Schlossallee gefalle besser und passe besser in das Ortsbild, wurde behauptet. Die Architektur sei zeitgemäßer, die der Bürgerinitiative überkommen. Jede Zeit habe Ihre architektonische Epoche.

Gemeint war wohl, dass die Architektur der Schlossallee der Epoche entspricht. Eine Diskussion über diese Thesen fand nicht statt.

 

Die Architektur der Schlossallee GmbH ist belanglos, nichtsagend und beliebig, städtisch, zu voluminös und passt weder in die Ortsmitte, noch überhaupt nach Bickenbach. Sie ist auch nicht zeitgemäß. Die wahllose Aneinanderreihung, die Baukörper, die Flachdächer, die Arkade mit den Kugelleuchten, keine zum Verweilen einladende Aufenthaltsorte, zeigen nicht nur eine schlechte Architektur, es ist Architektur der 70er Jahre und keine moderne.

Ganz abgesehen von den Ungereimtheiten und der typischen Investorenarchitektur mit hoher Verdichtung und hoher Verschattung. Scheinbar begrünte Innenbereiche, aber wo sind die Zuwegungen zu den Häusern, die Feuerwehrangriffswege, Anliefermöglichkeiten und wie wird der Müll entsorgt? Davor, fast verschämt und als Alibi angeordnet Kurzzeitparkplätze, die nicht ausreichend sind um die notwendige Frequenz für den geplanten Einzelhandels zu schaffen, noch sind sie so angeordnet wurden, dass Staus vermieden werden. Das geschieht alles nur, um keinen Quadratmeter vermietbare oder veräußerbare Fläche zu verliere. Die etablierten Parteien und deren Führungen übergehen das alles. Gespannt dürfen wir sein, wie die Ladengalerie funktionieren wird. Der Einzelhandel lehnt Arkaden ab. Wird es so, wie in Jugenheim enden?

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Jugenheim, Alte Bergstraße

Interessieren würde auch, ob die gleichzeitige Nutzung von Tiefgarage, Aufzügen und Treppenhäusern durch Kunden und Wohnungseigentümern nicht zu Kollisionen führt.

Nichts gegen den Kollegen Oezen, dem Entwurfsplaner der Schlossallee, aber leider hat er keine ausgezeichneten Architekturprojekte vorzuweisen, nur kleine Maßnahmen und hauptsächlich Innenausbauten mit wenig besonders hervorzuhebender Architektur.

 

Die am Konzept der Bürgerinitiative beteiligten Architekten arbeiten alle in renommierten Architekturbüros und können namenhafte große Projekte und Wettbewerbserfolge in konkurrierenden Verfahren im Städte- und dem Wohnungsbau vorweisen.

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Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Herr Wesp erklärte die Konzeption für nicht zeitgemäß. Herr Schröder (SPD) erklärte, dass Bickenbach kein geschlossenes Ortsbild aufweise und lehnt daher die Gestaltung der Bürgerinitiative ab.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob es noch ein geschlossenes Ortsbild gibt – das geht an der Sache vorbei – sondern, ob es richtig ist die prägende Struktur mit giebelständigen Häusern aufzugreifen.

 

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Satteldächer sind auch nicht unzeitgemäß. Die neuste Ausgabe des Verbandsorgans der Deutschen Architekten beschäftigt sich mit dem öffentlichen Raum. Und was ist auf der Titelseite zu sehen? Ein Satteldach! Das Deutsche Architektenblatt hat in dem sehr empfehlenswerten Artikel herausragende Beispiele für die Gestaltung des öffentlichen Raumes publiziert. Fast alle Beispiele haben geneigte Dächer.

Soviel zu den Vorwürfen von Herrn Wesp (CDU) und Herrn Schröder (SPD).

 

Aber vielleicht meinte die etablierte Politik als Maßstab und Ausgangspunkt für die Architektur der Schlossallee GmbH das vorhandene Döner-Restaurant. In dem Bericht zum Bebauungsplan wurde das Gebäude sogar als mediterran anmutendes Schnellrestaurant bezeichnet. Damit diese Beschönigung richtig mit Leben erfüllt wird, sollte aber noch einiges passieren.

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(Bild Bürgerinitiative)

Auch die Farben, Begrünungen unter dem Tischgebäude, die Außenbewirtung, die gleichzeitig die einzige Zufahrt zum Blockinneren ist, daneben die Tiefgaragenausfahrt, die Schiebeläden usw. sind konzeptionell fragwürdig und schaffen keine angemessene architektonische Qualität für den Ort. Der Hohn ist, dass die Gemeinde die gestalterischen Anforderungen nur auf Südfassaden beschränkte. Das kann was werden. Man muss wissen, dass die außerhalb des Baufeldes der Schlossallee GmbH gelegenen Baufelder engste Vorschriften zur Gestaltung von Fassaden und Dächern von der Gemeinde bekommen haben, bis hin zur Festlegung von Fensterproportionen und Sprossenteilungen. Nichts dergleichen für die Grundstücke des Investors.

Und ist der Kindergarten Am Hintergraben als Geschmackssache entstanden? Unansehnlich und eingeklemmt zwischen Schule, Bürgerhaus und Straße. Eine architektonische Katastrophe. Es geht auch anders.

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Ein neuer kindgerechter Kindergarten mit aufsehenerregender Architektur. Überall Satteldächer und das nicht auf dem Dorf, sondern mitten in der Großstadt Kopenhagen. Gerade gebaut.

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Grundstückspreise fallen in Bickenbach

In einem verzweifelten Versuch eines Mandatsträgers von Komm,A die Beschlussfassung zum Bebauungsplan für die Ortsmitte zu verhindern, wurde vom Fraktionsvorsitzenden der SPD Herrn Schmöker Münchner Durchschnittsmieten herangezogen die niedriger waren als die von dem Mandatsträger benannten Mietansätze für das Schlossallee-Projekt. Der von Herrn Schmöker herangezogene Durchschnittswert für die Stadt München ist unangebracht. Vergleichbare Mieten liegen bei weit über 20€ pro Quadratmeter.

Nicht erwähnt hat der Fraktionsvorsitzende der SPD Herr Schmöker, dass die Bodenpreise in München sich in den letzten 10 Jahren verdreifachten und in Bickenbach in der Ortsmitte die Grundstücke sich verbilligten. Die Gemeinde verkaufte Grundstücke in der Ortsmitte für 300€/qm. Bereits vor 14 Jahren erzielte die Gemeinde für Grundstücke in wesentlich schlechterer Lage, bei geringerer baulicher Ausnutzung 365€/qm.

 

Zu dem ganzheitlichen Bebauungskonzept der Bürgerinitiative

  • Besser
  • Nachhaltiger
  • Tragfähiger
  • Angemessener
  • Intelligenter

 

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(Zeichnung Bürgerinitiative)

 

Das Bild ist kein Fake (Fälschung). So könnte es in der Darmstädter Straße tatsächlich werden. Eine breite Straße mit ausreichend Kurzzeitparkplätzen, Bäumen und Freiräumen zum Verweilen. Kleine Plätze, die gerne aufgesucht werden, da der fließende Verkehr reduziert ist durch eine stärkere Umlenkung des überörtlichen Verkehrs. Treffpunkte für jung und alt. Ein schlüssiges Ganzes, dass die die notwendige Frequenz erzeugt, damit Einzelhandel und Gastronomie sich ansiedeln.

Mit ausdrucksstarker und eindeutiger sich auf Bickenbach beziehender Architektur, identätsstiftend und maßstäblich, die sich wunderbar eingefügt in den Ort. Individuell gestaltbar und keine Aneinanderreihung sich wiederholender Baukörper.

Wohnhäuser, Reihen- und Einzelhäuser unterschiedlicher Größe, gezielt platziert auf einzelnen Parzellen, so dass verschiedene Eigentümer bauen können, auch mit unterschiedlicher Architektur und private und öffentliche Räume entstehen, die zum Aufenthalt der Nachbarn und von Bürgern einladen, aber insbesondere für eine optimale Besonnung sorgen. Nicht dicht und verschattet, wie die Wohnkomplexe der Schlossallee. Ergänzt wird es um schmale Durchwegungen, um zu den Aufenthaltsorten zu gelangen. Durchgrünt, und das funktioniert, da die Baugrundstücke weitgehend nicht unterbaut werden. Es wird damit Platz geschaffen für die Versickerung von Regenwasser und keine aufwändige Rückhaltekonstruktion notwendig -bei der Schlossallee 37m lang, Durchmesser 1,80m-, es aber ermöglicht wird Zisternen zum Auffangen von Regenwasser und dessen Nutzung zu errichten.

Parzellierungen sind vorgesehen, die sicherstellen, dass das gesamte Areal dauerhaft durch ihre Eigentümer gepflegt wird, wie das schon die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke in vorbildlicher Weise tun. Bei der Schlossallee wird eine solche mit viel Liebe und der Tatkraft erbrachte Pflege der Eigentümer nie der Fall sein und es ist nicht abwegig anzunehmen, dass die Anlage zunehmend verkommen wird.

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(Bild Bürgerinitiative)

Die denkmalgeschützte Scheune in der Steingasse könnte Ort des Zusammentreffens werden, etwa für Senioren, schön saniert, als eines von wenigen historischen Zeugnissen an die landwirtschaftlich geprägte Zeit des Ortes. In der Steingasse könnte außerdem geförderte Wohnraum entstehen. Eine grobe Berechnung zeigt bereits, dass sich eine solche Investition rechnet und die Gemeindekasse nicht belasten würde. Wieso es von der Gemeinde nicht angepackt wird, ist unverständlich.

Die Verkehre werden geordnet und ausreichend Kurzzeitparkplätze für die Geschäfte und das sonstige Gewerbe an der Darmstädter Straße geschaffen. Es gibt kein Umherirren auf der Suche nach einem Parkplatz um das Rathaus, das Schlossgelände und umliegende Straßen. Die Störungen werden in diesen Bereichen für Bewohner und Nutzer reduziert. Das Parken auf der Straße, verbunden mit Rückstaus, Gedrängel und Verärgerungen hört auf. Alle Einzelhäuser und die Reihenhäuser haben mindestens einen Stellplatz. Bei einer in wenigen Minuten von einem der Architekten der Bürgerinitiative vorgenommenen Ergänzung der Konzeption konnten 12 weitere oberirdische Stellplätze geschaffen werden, ohne dass damit signifikant der Anteil der begrünten, nicht unterbauten Flächen beeinträchtigt wurden.

Für Anlieferverkehre und auch kurze Halte, auch für Bewohner, dienen die Kurzzeitparkplätze, die abends exklusiv den Anwohnern zur Verfügung stehen. Geparkt werden kann außerdem auf einem Parkdeck, das im Übrigen dazu herangezogen werden soll, die Parksituation zu optimieren. Da ein wesentlicher Teil der Kurzparker verlagert werden, verringert sich die Belastung der Anwohner ganz erheblich und bei einer mittelfristig vorstellbaren Reduktion des PKW-Verkehrs kann darauf durch Abbau oder Verkleinerung eines Parkdecks reagiert werden. Das ist bei der Tiefgarage der Schlossallee nicht möglich. Der ausgewählte Ort für das Parkdeck schreit im Übrigen nach einer baulichen und architektonischen Aufwertung und Verbesserung. Es grenzt an Rathaus und Jagdschloss.

 

Das Konzept der Bürgerinitiative

Es entsteht eine lebendige Ortsmitte für alle Bürger, Bewohner, Geschäftsinhaber und Anlieger. Die Bürgerschaft wird die Ortsmitte mit Leben erfüllen und stolz auf Ihre neue Ortsmitte sein, ihren Ort als lebenswert schätzen und sich vermehrt mit Bickenbach identifizieren und sich engagieren.

Keine untaugliche Konzeption, sondern nachhaltig, zukunftsweisend und intelligent und mehrheitsfähig in der Gemeinde, nicht das Projekt der Schlossallee, wie die etablierten Parteien es behaupten.

Ich bleibe bei meiner Aussage in der 2. Bürgerversammlung, dass sich Bickenbach zum Gespött einer ganzen Region macht, sollte das Projekt der Schlossallee GmbH realisiert werden.

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Den dritten und letzten Teil der Reihe finden Sie hier als PDF zum Herunterladen.

 

 

Die Zerstörung eines Dorfes – Teil 2

Von der neuen Ortsmitte in Bickenbach und dem Schlossallee-Projekt

Teil 2

Von Helmut Erzgräber-Lamm

  • Vom planlosen Planen der Gemeinde
  • Der Verkehr erstickt ein Leben in der Ortsmitte

Von der Selbstblockade der Gemeinde und vom planlosen Planen

Der Bürgerinitiative wurde vorgeworfen, dass sie bei ihrem Konzept Eigentumsverhältnisse nicht beachtet habe. Das ist genau das Übel in Bickenbach, dass Gemeinde und wohl auch SPD, CDU und FDP meinen, zunächst müssen die notwendigen Grundstücke beschafft werden, dann könne geplant werden. Damit wird klar, warum seit über 20 Jahren in der Ortsmitte nichts passierte. Die Gemeinde entwickelte kein eigenes Konzept für die Ortsmitte und wartete darauf, dass ein Investor die Grundstücke in der Ortsmitte zusammen bekommt und entwickelt. Eigentumsverhältnisse sind nicht der Ausgangspunkt und der Nabel für eine dörfliche Entwicklung. Wenn dem so wäre, würden kaum Neubaugebiete entstehen, keine Quartiere sich entwickeln lassen, keine Zentren in Städten und Gemeinden.

Es erklärt den jahrelangen Stillstand und auch das planlose Vorgehen in Bickenbach. Es wunderten schon immer die grundstücksbezogenen Bebauungspläne, wie auch die nicht nachvollziehbaren baulichen Festlegungen Senioren in der Nähe der vielbefahrenen Bahnlinie unterzubringen, in der Ortsmitte keine Flächen für einen Discounter auszuweisen, es keinen gemeinschaftlichen Aufenthaltsort für Ältere gibt, eine Wohnbebauung direkt in Bahnnähe, eine Umgehung realisiert wurde, die den überörtlichen Verkehr nicht aus dem Ort hält und wahllos Parkflächen mit merkwürdigen Erschließungen im Ortskern realisiert wurden, nicht aber ausreichend Kurzzeitparkplätze an der Darmstädter Straße zur Stärkung des Einzelhandels. Erinnert sei an das glücklicherweise gescheiterte Hochregallager, dass die Gemeinde sichtbar für alle am Ortseingang platzieren wollte.

Ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung des Ortes hat die Gemeinde jedenfalls nicht. Und so wird agiert, wie es kommt. Schlossallee, Bürgerhaussanierung ohne Betrachtung zu einer benötigten Sporthalle. Wohin damit? Der falsche Standort scheint vorprogrammiert. Üblicherweise entwickeln Kommunen Konzepte für das Wohnen, Gewerbe, den kommunalen Bedarf, zum Verkehr und der Landschaft, lassen sich dabei professionell beraten und beteiligen die Bürger an dem Prozess offen und mit Empathie. Nicht in Bickenbach. Erledigt wurde das in der Vergangenheit weit über 20 Jahre von Herrn Martini unter Einbindung von SPD, CDU und FDP. Die Ergebnisse sind bekannt. Man lobt sich untereinander für die dörfliche Fortentwicklung, die aber katastrophal ist, unüberlegt, nachteilig, heute schon Probleme erzeugt und weitere in der Zukunft abzusehen sind.

 

Vom Verkehr und dem Parken

Die Schlossallee GmbH plant eine 2-geschossige Tiefgarage mit über 160 Stellplätzen. Eine Planung wurde erstmals im PLU-Ausschuss am 16.01.2018 kurz vorgestellt. Der Investor erklärte, dass ein erfahrener Planer die Tiefgarage geplant habe. Nachfragen zu der Planung der Tiefgarage wurden von dem Bürgermeister Herrn Hennemann nach wenigen Minuten abgeblockt. Herr Hennemann erklärte die Tiefgaragenplanung sei nicht Gegenstand des Bebauungsplanverfahrens.

Nicht so bei dem Konzept der Bürgerinitiative. Da wurden von Herrn Hennemann die oberirdischen Stellplätze nachgezählt, die Übereinstimmung mit der Stellplatzsatzung wurde in Zweifel gezogen, Schrägparkplätze an der Straße als unzulässig kritisiert, der Vorschlag eines Parkdecks als eine Verlagerung von Lasten bezeichnet. Von dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, Herrn Schmöker wurde das Konzept der Bürgerinitiative zur Verkehrsberuhigung sogar als „daneben“ bezeichnet. Auch hier zeigt sich wieder eine völlig ungleichgewichtige Behandlung und Unsachlichkeit. Die Planung des Investors wird unkritisch hingenommen. Die Gesamtkonzeption der Bürgerinitiative kritisiert und wissentlich die Qualitäten der Ideen, Ansätze und Überlegungen von Bürgern und deren Architekten massiv in Abrede gestellt.

Die vorgestellte Planung zur Tiefgarage der Schlossallee GmbH ist sehr sonderbar. Die Decken und die Bodenplatte sind viel zu dünn. Stützen gibt es keine. Wie das konstruktiv funktionieren soll, bleibt ein Rätsel. Das zu erkennen, erfordert nicht sonderlich großen Sachverstand. Angesprochen wurde das aber nicht, obwohl mit Sicherheit der Gemeindeverwaltung und den befürwortenden Parteien oder deren Protagonisten diese Planung bekannt war.

Größere Decken- und Bodenplattenstärken führen zu stärkeren Eingriffen in den Boden und berühren möglicherweise das Grundwasser. Das ist ein sehr bedeutsamer Aspekt für eine Gemeinde. Nicht so in Bickenbach. Es war aber keine Frage wert bei SPD, CDU und FDP.

Ein Blick auf die Homepage des als professionellen Tiefgaragenplaner vorgestellten Büros, zeigt, dass dieser über keine Referenzen ausgeführter Tiefgaragen verfügt. Es grenzt an Fahrlässigkeit so einem Investor und Bauträger zu glauben und zu vertrauen. Nichts ist geklärt, weder zum Betrieb, dem Aufkommen an Zu- und Ausfahrten aus der Tiefgarage, wie die Begrünung auf einer Tiefgarage mit großen Bäumen, wie Rückstaus vermeiden werden sollen in der Darmstädter Straße und wo die schmutzige Tiefgaragenabluft hin soll. Fest steht lediglich, dass ein Ausfahren nur nach rechts zulässig ist. Was das alles an Belastungen durch Staus, erhöhtem Verkehr, der Verlagerung von Verkehren in umliegende Straßen, verbunden mit stärkerem Lärm und erhöhten Schadstoffkonzentrationen, insbesondere in der Darmstädter Straße bedeutet, gerade auch durch die schluchtartige Enge, wurde nicht einmal im Ansatz thematisiert.

„Daneben“ ist die unzureichend hergestellte Ortsumfahrt, da sie nicht in ausreichendem Mass Verkehr aus dem Ort heraushält. Bis zu 10.000 Fahrzeuge müssen die Bewohner an einem Tag in der Darmstädter Straße ertragen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Herr Schmöker erklärte, er habe noch nie einen Stau in der Darmstädter Straße erlebt. Er möge doch mal die vom vielen Verkehr, dem Lärm und dem Gestank betroffenen Bürger befragen, welche Belastung sie tagtäglich durch den Verkehr zu ertragen haben und was sie von der Ortsumfahrung halten.

 

Verkehr in der Ortsmitte reduzieren durch Verkehrsumlenkung

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(Zeichnung der Bürgerinitiative)

Es wird sich ein Mikrokosmos geschaffen und ausgeblendet, was nicht zu dem eigenen Verständnis passt. Was man nicht gebrauchen kann, gibt es nicht. Genau so wird dann auch selektiv argumentiert, mal so und mal so. Das bleibt der Bürgerschaft glücklicherweise nicht verborgen und führt geradewegs zu dem zerrüttenden Verhältnis zu den etablierten Parteien und den Gemeindegremien.

Ein Bauwunsch wurde einer Familie, zum Beispiel mit fehlenden Kindergartenplätzen, abgelehnt. In der Ortsmitte dürfen nun viele Wohnungen errichtet werden. Was stimmt denn nun? Gibt es genug Kindergartenplätze oder nicht? Möglicherweise weise ich auf eines dieser zukünftigen Probleme hin. Oder zielt die etablierte Politik auf eine kaufkräftige Klientel ohne Kinder für die Wohnungen in der Ortsmitte?

Wichtig waren 2,70m breite Stellplätze, die dazu führen, dass die Tiefgarage noch größer ausfallen wird. Das ist absurd und völlig weltfremd. In Deutschland ging 2017 der Verkauf von Neuwagen um immerhin 5 % zurück. Als ob es in Bickenbach in Zeiten des Klimawandels nicht auch wichtig wäre, so viel wie möglich an Grünzonen und nicht versiegelter Fläche zu erhalten. Stattdessen wird das Baugrundstück des Investors großflächig mit einer 2-geschossigen Tiefgarage versiegelt.

Bickenbach soll laut dem Willen von CDU städtischer werden. In Städten etablieren sich Carsharing-Modelle, wird der öffentliche Nahverkehr massiv ausgebaut und andere Mobilitätskonzepte verfolgt, wie Radwege, E-Bikes usw., die alle darauf abzielen den PKW-Verkehr und damit den benötigten Parkraum zu reduzieren. Das passt aber nicht in den beschriebenen Mikrokosmos und so sind es keine Perspektiven für Bickenbach. Widersprüche über Widersprüche und ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept wird von SPD, CDU und FDP planlos die Zukunft der Gemeinde aufs Spiel gesetzt.

Die verkehrliche Belastung in der Darmstädter Straße ist heute schon unhaltbar. Von der SPD und CDU wurde erklärt, dass auch die Kunden der Geschäfte die Tiefgarage nutzen dürfen. SPD und CDU sollten sich die Berechnung des Verkehrsplaners mal anschauen zu den kalkulierten Frequenzen der  Kunden- und Besucherverkehre. Entweder ist die Nutzung durch Kunden Wunschdenken von SPD und CDU und nicht das Konzept des Investors oder die Berechnung des Verkehrsplaners stimmt nicht. Auch hier wieder scheinbar blindes Vertrauen in den Investor. Haben SPD und CDU noch nie etwas von völlig problembehafteten Projekten von Bauträgern und Entwicklern vernommen?

Von der SPD hörten wir außerdem, dass Kunden von der Tiefgarage über Aufzüge direkt in die Geschäfte gelangen können, wie bei einem Shopping Center. Ob zufällig oder gewollt, die geschlossene, nicht nur belanglose Aneinanderreihung gleichförmiger Baukörper entlang der Darmstädter Straße erinnert tatsächlich eher an ein Shopping Center.

 

Teil 2 der Artikelreihe können Sie als PDF hier auf unserer Webseite herunterladen.

Die Zerstörung eines Dorfes – Teil 1

Von der neuen Ortsmitte in Bickenbach und dem Schlossallee-Projekt

Teil 1

Von Helmut Erzgräber-Lamm

  • Wo ist die Allee?
  • Via Mala in Bickenbach?
  • Vom Schiefgehen einer neuen Ortsmitte und dem Gewinn eines Investors
  • Vom tragfähigen und zukunftsweisenden Konzept der Bürgerinitiative

 

Am 25.1.2018 wurde der Bebauungsplan zur Ortsmitte durch die Mehrheit von SPD, CDU und FDP verabschiedet.

 

Die neue Ortsmitte

Von den Vertretern der SPD, CDU wird die Planung der Schlossallee GmbH, auch nachfolgend Investor genannt, als zukunftsweisend, kaufkraftfördernd und als Bereicherung der Ortsmitte bezeichnet. Es wurde behauptet, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Bebauung stattgefunden habe und es gelungen sei, eine Vielzahl von Zugeständnissen von dem Investor erwirkt zu haben. Es habe die Bebauung reduziert werden können. Tatsächlich ist die Bebauung hoch verdichtet und sie war offenbar vom Investor sogar noch dichter vorgesehen. Die Reduktion wird von den etablierten Parteien als Erfolg gepriesen. Allerdings gibt es bis heute keinerlei Belege über die behauptete Reduktion der Bebauung. Weder in den Bürgerversammlungen, noch zu einem späteren Zeitpunkt wurden von der Gemeinde die ursprünglichen Pläne des Investors veröffentlicht. Das schon mal zur Informationsqualität und einer transparenten Darlegung der Planung. Vom Fraktionsvorsitzenden der SPD, Herrn Schmöker, wurde damit die Information der Bürgerschaft als ausreichend angesehen.
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(Bilder Schlossallee GmbH)

Vergleicht man die farbige Darstellung des Investors mit den späteren sehr einfachen Baumassendarstellungen, fällt sofort auf, dass das merkwürdige ursprünglich auf 4 Stützen stehende und wie ein Tisch wirkende Eckgebäude mit dem Baukörper entlang der Darmstädter Straße zusammengewachsen ist. Nun tauchen in den einfachen Baumassendarstellungen schlanke runde Stützen entlang der sogenannten Arkade auf. Vorher waren es eckig verkleidete Stützen. Die Unterschiede in den Planungen des Investors führten zu keinem Hinterfragen durch die etablierten, die Planung des Investors befürwortenden Parteien und schon überhaupt nicht zu einer breiten Information der Bürgerschaft. Auch wäre es wert gewesen den Investor zu befragen, wie denn die runden schlanken Stützen mit den Gestaltungsvorgaben im Bebauungsplan in Einklang zu bringen sein sollen. Losgelöst von der interessanten Frage zeigt sich schon hier eine der Schwächen des Bebauungsplans. Nicht einmal die wenigen, wenn auch nur kosmetischen Vorgaben im Bebauungsplan, werden von dem Investor beachtlich sein, denn die Anforderungen gelten nur für Südfassaden. Aber was ist Süden bei einer runden Stütze? Man darf gespannt sein, was da kommen wird.

 

Via Mala in Bickenbach?

Via Mala heißt „schlechter Weg“ und beschreibt eine enge Schlucht in den Alpen.

3Viel Verkehr und schmale Bürgersteige machen es schon heute reichlich unattraktiv die Darmstädter Straße entlang zu gehen. Durch die Neubebauung entsteht eine Straßenschlucht in der Ortsmitte, die es nicht attraktiver werden lässt. Die geplante Arkade kann nicht darüber hinwegtäuschen. Die Darmstädter Straße wird zukünftig in Höhe des Rathauses nur eine Breite von 15m aufweisen, bei auf beiden Seiten stehenden Gebäuden, die ca. 14.00m bis ca. 15.00m hoch sind. Die Straßenflucht verjüngt sich im Verlauf der neuen Bebauung dann auf erst recht nur noch 10.00m. Das ist einer Schlucht nicht unähnlich. Der gesamte Verkehr muss sich durchquälen. Die Verkehrssituation wird sich weiter verschlechtern, denn durch die vorgesehenen, auch noch in Längsrichtung angeordneten Kurzparker, wird es vermehrt zu Staus kommen. Ebenso durch den Verkehr aus der vorgesehenen Tiefgarage, die nach den vorliegenden Informationen auch von der Kundschaft der Läden genutzt werden soll. Das werden viele Hundert Ein- und Ausfahrten sein pro Tag. Durch den Verkehr, die Staus, den höheren Lärm und die Schadstoffe wird ein Aufenthalt äußerst unattraktiv. Es wird eine Via Mala (schlechter Weg) entstehen.

Von Herrn Schröder (SPD) wurde kritisiert, die Firste der Häuser in dem Konzept der Bürgerinitiative seien höher als die Gebäude der Schlossallee GmbH. Herr Schröder (SPD) hat nicht verstanden, dass es einen Unterschied macht, ob man mit einer durchlaufenden ca. 90m langen Attika entlang der Darmstädter Straße mit 13,50m Höhe die Straße zubaut, oder bei giebelständigen Häusern Firste vereinzelt etwas höher sind als 13,50m sind.

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(Zeichnung Bürgerinitiative)

Ich bin gespannt, was Herr Schröder (SPD) dazu sagen wird, wenn bei der Bebauung der Schlossallee entlang der Straße, dann Treppenhäuser oder Aufzugsüberfahrten oder sonstige Nebenanlagen die Attikahöhe um 1,00 – 2,00m überragen. Das ist viel gravierender und außerdem ganz schlechte aber typische Investorenarchitektur. Er hat mit seiner Zustimmung zum Bebauungsplan es sanktioniert und zu verantworten.

Es stellt einen bedeutenden Unterschied dar, ob die Gebäude sich eng gegenüber stehen, wie das bei der Schlossallee GmbH der Fall ist oder die Darmstädter Straße sich breit öffnet, wie das im Konzept der Bürgerinitiative der Fall ist. Da gibt es Platz zum Aufenthalt und auch für Bäume. Da macht es nichts wenn Giebel etwas höher sind als 13,50m.

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(Zeichnung Bürgerinitiative)

Und wo sind denn die Bäume die zu einer Allee gehören? Nicht einmal das wurde gefragt. Es gibt keine, und kann keine geben, denn bei der Planung der Schlossallee GmbH gibt es hierfür überhaupt keinen Platz.

 

Messen mit zweierlei Maß!

Bleiben wir noch bei der Planung der Schlossallee-GmbH und der Rolle der Parteien, welche die Planung der Schlossallee GmbH sorgfältig geprüft haben wollen und diese Planung als gelungen, modern und zielführend erachten für die Neugestaltung der Ortsmitte.

Die Treppenhäuser sind nach Süden ausgerichtet und sollen aus Glas hergestellt werden, so dass es für die Bewohner ein Genuss sein wird, diese im Sommer zu nutzen.

Herr Schröder (SPD) erklärte, dass in dem Konzept der Bürgerinitiative die Durchfahrt zu niedrig sei für die Feuerwehr. Er hat nicht verstanden, dass bei dem Konzept der Bürgerinitiative eine Feuerwehrzufahrt nicht notwendig ist. Für Herrn Schröder (SPD) der Hinweis, dass zur Sicherstellung eines 2. Rettungsweges Feuerwehrleitern erfunden wurden oder Fluchttreppenhäuser nach der Bauordnung gebaut werden können. Das Konzept der Bürgerinitiative nutzt diese Möglichkeiten.

Und wie sieht die Entfluchtung und die Feuerwehrzufahrt bei dem Projekt der Schlossallee GmbH aus? Es wurde weder in den Bürgerversammlungen etwas dazu erläutert, noch wurde von SPD, CDU und FDP die Frage an den Investor gerichtet im Ausschuss für Planung, Landwirtschaft und Umwelt (PLU). Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Bei dem Konzept der Bürgerinitiative wurde die Höhe der Firste nachgemessen und die Höhe der Durchfahrt. Bei dem Konzept der Schlossallee wurde nichts, aber auch garnichts hinterfragt oder als kritisch angesehen.
Bei dem von der Bürgerinitiative gebauten Modell der geplanten Bebauung der Schlossallee, das auch die umgebende, vorhandene Bebauung berücksichtigt, wurde verzweifelt nach Fehlern geforscht. Nicht so bei den wenigen der Öffentlichkeit zugänglichen Unterlagen der Schlossallee GmbH. Das zeigt den einzig verfolgten Zweck die Planung der Schlossallee mit allen Mitteln durchzusetzen. Es erfolgte keine kritische Auseinandersetzung mit der Investorenplanung. Auch gab es nie eine Forderung an den Investor ein maßstabgerechtes Modell mit der Umgebung zu liefern. Modelle sind bewährt und üblich um Baumassen, entstehende Freiräume, Belichtung, Proportion und Bezüge zwischen Gebäuden zu verstehen, sowie die Einfügung von Neubauten in den Bestand.

Die Feuerwehrzufahrt, die Höhe von Firsten, das Mäkeln am Modell der Bürgerinitiative sind gute Beispiele, die zeigen wie die Strategie von SPD, CDU und FDP war, nämlich keine sachbezogene und vergleichende Betrachtung und Diskussion zuzulassen, was das bessere Konzept für die Ortsmitte ist.

Außerdem bleibt der Verdacht, dass Gemeindeverwaltung, der Bürgermeister, SPD, CDU und FDP Pläne der Schlossallee GmbH vorliegen haben, die der Öffentlichkeit vorenthalten wurden.

 

Ein Riss geht durch die Gemeinde.

Die Befürworter von SPD, CDU und FDP brauchen sich daher nicht zu wundern, was da auf sie zukommt an beliebiger und schlechter Investorenarchitektur und bei Bürgern Zweifel aufkommen, ob es immer mit rechten Dingen zuging bei der Entwicklung der Ortsmitte. Das Misstrauen gegenüber Bürgermeister Martini, Mandatsträgern und den befürwortenden Parteien des Projektes der Schlossallee haben sie selbst zu verantworten.

Herr Hennemann stellte eine „Radikalisierung“ in der Gemeinde fest. Es ist nicht bekannt, worauf er sich konkret bezieht. Andere aus den etablierten Parteien beklagen Vorwürfe der Bestechlichkeit von Mandatsträgern. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Herr Schmöker beklagt „Attacken“ gegen die SPD-Fraktion. Schon das Wort „Protagonisten“ wurde von den Mitgliedern der SPD-Fraktion als Beleidigung aufgefasst.
SPD, CDU und FDP übersehen, dass sie durch Ihre Vorgehensweisen es geradezu provozieren und selbst dafür verantwortlich sind, dass Bürger sich abwenden, ihre Schlüsse ziehen und zum Beispiel von Kungelei sprechen. Den Riss in der Gemeinde und die tiefe Spaltung der Bürgergesellschaft haben SPD, CDU und FDP zu verantworten!

 

Von der Meinungsfreiheit und der Bürgerbeteiligung.

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Bild der Schlossallee GmbH

Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Herr Schmöker erklärte, dass zwei Bürgerversammlungen zur Bebauung der Ortsmitte ausreichend gewesen seien. Es waren äußerst einseitige Veranstaltungen. Es wurden Pläne des Investors vorgestellt, die viel zu hohe vorhandene Gebäude in der Umgebung zeigten. Das wurde zugelassen. Oder sind das „Alternative Fakten“, die es seit Trump gibt?
Eine tatsächliche Einbeziehung der Bürgerschaft fand nicht statt. Es waren reine Alibiveranstaltungen. Es war alles entschieden und abgemacht.

Die Planung der Schlossallee GmbH wurde als alternativlos von dem Bürgermeister Martini, SPD und CDU hingestellt. Die Aussagen machen deutlich, was von den Bürgern erwartet wird. Kritikern der Planung der Ortsmitte wurde vorgehalten die Mehrheitsverhältnisse doch bitte zu beachten. Als ob es für die Gewählten einen Freifahrtschein gäbe über die gesamte Wahlperiode tun und lassen zu können, wie es ihnen beliebt.

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Vergessen wird, dass unser Grundgesetz vorschreibt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Demokratie erschöpft sich eben nicht in der Stimmabgabe bei Kommunalwahlen, sondern gerade in einer Einbeziehung der Bürgerschaft, hoher Transparenz und sachgerechter Behandlung. Nicht so in Bickenbach.

 

 

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Trotz mehr als 750 Unterschriften unter dem Appell für eine Denkpause zu einer breiten Erörterung der Planung in der Ortsmitte mit der Bürgerschaft, wurde das Angebot der Bürgerinitiative zum Dialog nicht aufgegriffen. Eine Bürgerbeteiligung sieht anders aus.
Noch im Bürgermeisterwahlkampf versuchten SPD und CDU das Thema Ortsmitte aus dem Wahlkampf herauszuhalten. In den Broschüren wurde nicht das Schlossallee-Projekt als erfolgreiche Politik hervorgehoben, nein, ganz im Gegenteil Bilder, die zeigen, was den Ort ausmacht und für viele Heimat bedeutet.

In einer sachbezogenen Diskussion mit der Bürgerschaft, durchaus auch kontrovers geführt, hätte es sich ergeben, dass das Konzept der Bürgerinitiative, das von Bürgern mit hochqualifizierten Architekten entwickelt wurde, das Bessere und Tauglichere für die Ortsmitte ist.  Mehr dazu im Teil 2 und 3.

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(Bild Bürgerinitiative)

 

Dieser Beitrag ist bereits am 26. März vorab als PDF-Download erschienen und hiermit wie angekündigt nun als Volltext veröffentlicht.

Download des Artikels auf unserer Webseite.

 

Die Zerstörung eines Dorfes – Teil 1

Von Helmut Erzgräber-Lamm

Eine Bewertung und Kommentierung der Entwicklung Bickenbachs durch die Kommunalpolitik im Zusammenhang mit dem Projekt „Neue Mitte“.

Teil 1 finden Sie hier zum Download als PDF-Dokument.

Der Link für zum PDF-Dokument auf der Webseite von Komm,A (ca. 20 MB). Wir werden in Kürze den Artikel auf unsere eigene Webseite hochladen und den Link aktualisieren.

Den Volltext werden wir in Kürze hier ebenfalls als Artikel posten.

Aus dem heutigen ECHO

Ergänzen möchten wir, dass auch eine bedarfsgerechte Tiefgarage machbar ist, in Kombination mit einer Gesamtbetrachtung der Parksituation in Bickenbach.

http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/bickenbach/buergerinitiative-ortsmitte-bickenbach-stellt-ihre-ideen-zur-gestaltung-vor_18470405.htm

Update:

Artikel aus ECHO und Bergstraesser jetzt beigefügt

ECHO

Bergstraesser