Ein riesiges Loch … und viel Beton

Ein Gastbeitrag


Die Tiefgarage unter den Gebäuden der geplanten Ortsmitte wird eine Grundfläche von ca. 5.000 m² haben und damit fast die gesamte Fläche des Projekts einnehmen. Darin sind auch die – recht kleinen – Kellerräume der Wohnungen eingerechnet. In der Tiefgarage sind Stellplätze für ca. 170 PKWs vorgesehen samt 9 Ladestationen für Elektroautos. Auch einige Fahrräder können dort abgestellt werden.

Nun birgt so eine Tiefgarage viele Probleme. Hier seien nur einige genannt:

  • Auf der Tiefgarage sind die geplanten Häuser und Zuwege vorgesehen. Als Alibi für die Tiefgarage sind auch ein Spielplatz und einige Grünflächen geplant – aber das können nur kleine Büsche und Stauden sein, denn für Bäume braucht es mehr Erde als über der Betondecke möglich ist.
  • Die Abgase der Autos müssen irgendwo aus der Tiefgarage heraus – sie sollen mit Ventilatoren heraus gepustet werden. Das „freut“ die Nachbarn, besonders wenn im Berufsverkehr viele Autos ein- bzw. ausfahren.
  • Eine solche Ansammlung von PKWs stellt eine erhebliche Brandgefahr dar. Und die Feuerwehr kann im Ernstfall nicht mit ihren großen Fahrzeugen einfahren – alle Schläuche und Feuerlöscher müssen von Hand in die Tiefgarage getragen werden.
  • Elektroautos, die Autos der Zukunft, bergen zusätzliche Gefahren: Wenn es brennt, gehen von den Batterien giftige Dämpfe aus, und brennende Batterien sind kaum zu löschen. Das Löschwasser enthält giftige Rückstände und müsste getrennt entsorgt werden. Manche Betreiber von Tiefgaragen verbannen deshalb E-Autos aus der Garage.
  • Gasbetriebene Autos dürfen Tiefgaragen überhaupt nicht benutzen.

Für die geplante Tiefgarage der Ortsmitte werden viele tausend m³ Beton gebraucht und damit mehrere tausend Tonnen CO2 produziert! (Die Produktion von 1 m³ Beton erzeugt 590 kg CO2).

Für den Verkehr der Zukunft werden nun deutlich weniger PKWs und dafür mehr Fahrräder und öffentlicher Nahverkehr gebraucht – und dennoch soll eine riesige Tiefgarage erstellt werden. In 20 bis 30 Jahren ist sie voraussichtlich nutzlos und kann höchstens als Lagerraum genutzt werden – ein Umbau ist nicht möglich, denn die Tiefgarage ist gleichzeitig das Fundament der Wohnhäuser, die darauf geplant sind.

In Frankfurt hält die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig Tiefgaragen grundsätzlich für problematisch. Sie sagt: „Tiefgaragen sind des Teufels“ (siehe „Frankfurter Rundschau“ vom 4.2.2021). Aber in Bickenbach glaubt die Gemeinde klüger zu sein und zu wissen, dass Autos auch in ferner Zukunft immer gebraucht werden und damit auch Tiefgaragen.


Anmerkung: Das Interview der FR mit Rosemarie Heilig sowie dem Stadtplaner Torsten Becker finden Sie hier.

Gorleben*

Ein Gastbeitrag

In Zeiten von Corona war das Thema Endlagerstätte für Atommüll nur kurz Gegenstand von Nachrichten.

In Bickenbach scheint Politik von SPD, CDU und FDP und den Bürgermeistern Martini und Hennemann Ortsentwicklung nur unter den Gesichtspunkten gesehen zu werden, dass ein Investor etwas bauen will, es Gewerbesteuer und Arbeitsplätze verspricht. Das war etwa bei dem Hochregallager so. Bei der geplanten Bebauung der Ortsmitte wurde noch eine Kaufkrafterhöhung von der Politik ins Feld geführt.

Die Untersuchungen zu einem Endlager für Atomabfälle hat ergeben, dass viele Regionen in Deutschland in Frage kommen, sogar die Rhein-Main-Region. Wie wäre es also, wenn sich Bickenbach für das Endlager bewerben würde?

Ein solches Szenario ist nicht abwegig, wenn man sich die politischen Leitplanken und Aussagen zu Ortsentwicklungsthemen von SPD, CDU und FDP und den Bürgermeistern in Bickenbach mal anschaut. Das kommt immer.

Es würde die klamme Gemeindekasse füllen. Die Arbeiter könnten für die Auslastung der teuren Mietwohnungen in der Ortsmitte sorgen. Von Biblis wäre es auch nicht sehr weit.

Nie kommt aus der Politik das Argument, das wäre gut für den Klima- und Naturschutz, die Reduktion von Verkehr und von Verkehrslärm, das Zusammenleben stärken…

*Keine Sorge, Bickenbach gehört nicht zu den in Frage kommenden Kommunen.