Sind wir nicht alle Nachbarn?

Kommentar eines weit entfernt wohnenden Nachbars der „Neuen Mitte“

Sehr geehrter Herr Petersmann,

ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten und sage Ihnen, es ist noch schlimmer. In Ihrer Planung gibt es reihenhausähnliche Wohnungsgrundrisse, die sogar nur eine Breite von ca. 3,9m haben. In der Breite ist dann noch eine Treppe nach oben angeordnet. Was sollen das für Wohnräume werden? Und dann noch schlauchähnlich mit einer niedrigen Raumhöhe.

In Ihren Zeichnungen war eine dünne Bodenplatte zu sehen. Kaum vorstellbar bei dem Projekt. Die Bodenplatte wird vermutlich um einiges stärker ausfallen mit entsprechendem Unterbau. Durch Ihre Doppelparksysteme notwendige Fundamente oder dickerer Bodenplatte kommen Sie dann doch womöglich in den Bereich des Grundwassers und müssen eine Wasserhaltung durchführen. Da werden Ihre wirklichen Nachbarn nicht sonderlich erfreut sein, wenn das Grundwasser abgesenkt werden muss oder Spundwände gerammt werden zur Wasserhaltung. Ganz davon zu schweigen, wo solches Wasser überhaupt hin soll…

In Ihren Zeichnungen für das Erdgeschoss gibt es ein paar Fenster. Bei dem Nahversorger Regale dann aber vor den Fenstern. Typische, aber schlechte Lösung. Solche Fenster werden dann zugeklebt. Wie unschön das aussieht, muss nicht beschrieben werden. Jedenfalls werden die Fenster Ad Absurdum geführt und hässlich wird es auch. Von wegen schöne neue Ortsmitte. Es benötigt eben eine ausgeklügelte und gute Planung, damit Nutzung und Qualität zusammen passen. Qualität wird in der Ortsmitte gebraucht. Es reicht nicht aus von der Schaffung einer „Neuen Mitte“ zu sprechen und nur Masse zu schaffen mit undurchdachten Wohngrundrissen und dicht stehenden Wohnriegeln. Ich werfe Ihnen vor, dass Sie nichts von dem Ort verstehen, an dem Ihr Grundstück liegt. Nicht glaubhaft ist, dass Sie eine „Neue Mitte“ schaffen wollen. Auch Ihr Projekttitel „Schlossallee“ trifft nicht zu. Sie schaffen eine schluchtähnliche Situation. Schauen sie sich mal Alleen an, die zu einem Schloss führen.

Auch unter Vermarktungsgesichtspunkten funktioniert Ihr Konzept vermutlich nicht. Ihre Mieterwartungen werden sich nicht erfüllen. Womöglich werden Sie im ersten Anlauf die Flächen sogar recht hoch vermieten. Die Probe aufs Exempel kommt aber recht schnell. Die Mieter werden sehr schnell die „Qualitäten“ ausmachen und nach Alternativen Ausschau halten. In der Region werden viele Wohnungen gebaut und kommen auf den Markt. Spätestens mit einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, werden sie mit Ihren Wohnungen in Schwierigkeiten geraten. Oder Sie müssen mit den Mieten runter. Was das bedeutet bei einer solchen Ballung von Wohnungen ist nicht auszudenken.

Ich wohne nicht in der Ortsmitte, sondern am Rand von Bickenbach. Bickenbach benötigt eine Ortsmitte, die als solche auch erkennbar und erlebbar ist. Eine riegelförmige Bebauung mit dicht an dicht stehenden Wohnblocks und einer Monostruktur aus vielen gestapelten Wohnungen erzeugt keine Ortsmitte. Bickenbach und Sie als Investor werden nur gewinnen, wenn Sie erkennen, dass eine Ortsmitte nicht durch das Stapeln von Wohnungen mit einer riesengroßen Tiefgarage und einem hohen völlig überdimensionierten Gebäuderiegel an der Straße, sowie dicht an dicht stehenden Wohnblocks in dem Innenbereich, entstehen kann. 

Mit freundlichen Grüßen

Ein Bickenbacher Bürger

(Der Name des Bürgers ist der Bürgerinitiative bekannt. Zum Schutz versöffentlichen wir das Schreiben anonym).               

Nachbarn

Ein Gastbeitrag zweier Bickenbacher Bürger

Was soll man da sagen, liebe Nachbarn?
Ein Nebensatz Ihrer Ausführungen ist korrekt und ausnahmsweise mal nicht polemisch: „Wir kennen nur wenige Details der Planung,……“
Daher erübrigt sich ein Kommentar zu allen weiteren Ausführungen.

Hartmut Petersmann per Kommentar zum Beitrag Übertreibungen und Emotionen

Lieber „Nachbar“ Petersmann,

dass wir nur wenige Details der Planung kennen – an wem liegt das wohl? Mit großer Geheimhaltung vor der Öffentlichkeit wurde das Projekt „Schlossallee“, Ortsmitte Bickenbach, bisher durch die Gremien gebracht.

Bisher wurden von Ihnen weder die komplette Planung der Öffentlichkeit vorgestellt, noch die Veränderungen erklärt. Und mit Rückmeldungen und Kritik muss man in einer Position wie der Ihren doch wohl rechnen. Diesen Vorgang nennt man „Demokratie“.

Für uns ist der Bebauungsplanentwurf maßgeblich. Er bildet die rechtliche Grundlage für die Bebauung. Der Öffentlichkeit wurde bis heute nicht erklärt, wieso der Bebauungsplan in Teilen über Ihre Planung hinausgeht und andererseits wesentliche Festlegungen fehlen, die in den Gremien der Gemeinde angeführt wurden als Argument und Qualitätsmerkmal Ihrer Planung.

Wir kennen die Teile Ihrer Planung, die die Gemeinde veröffentlicht hat. Sie genügt nicht dem Qualitätsanspruch für eine lebendige Ortsmitte in einer kleinen Gemeinde wie Bickenbach.

Als Beispiele seien genannt: Lichte Raumhöhen von 2,40m in Wohnungen sind nicht ausreichend für ein anspruchsvolles Wohnen. Die lichten Höhen von gerade einmal 3,5m für die gewerblichen Flächen im Erdgeschoss genügen nicht für einen Nahversorger. Insofern glauben wir Ihrer Darstellung nicht, sondern der Darstellung der Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach, die auf den Festsetzungen des Bebauungsplanes beruht.

Sie planen Balkone über einer Tiefgaragenausfahrt, Kinderzimmer mit einer Breite von nur 2m, reihenhausähnliche Wohnungen mit Grundrissbreiten von 4,3 m, Fenster unter der Südwestecke des Baukörpers an der Darmstädter Straße, die Wohnungen belichten sollen.
Das sind nur einige wenige Punkte, die Ihre Planung betreffen. Viele weitere finden Sie in den Einwendungen zu dem Bebauungsplan.

Das führt dazu, dass wir das städtebauliche Konzept nicht nachvollziehen können und nicht für richtig halten. Auch die technische Durchdachtheit Ihres gesamten Vorhabens und eine Vermietbarkeit wie von Ihnen gewünscht im geplanten Segment zweifeln wir an.

Sie könnten sich die Anregungen der Bürgerinitiative zunutze machen, statt sie abzuwerten. „Alles auf den Tisch, alle an einen Tisch“ – dieses Motto von Heiner Geißler (für Stuttgart 21) könnte Ihr Motto werden – wenn Sie es wollen!

Abschließend möchten wir betonen, dass wir von der Planung nicht unmittelbar und nachbarschaftlich betroffen sind – wir wohnen mehrere 100 Meter von der Ortsmitte entfernt.

Mit freundlichen Grüßen
Zwei Bickenbacher Bürger


(Der Bürgerinitiative sind die Personen bekannt. Aus Gründen des Schutzes veröffentlichen wir das Schreiben anonym).

Übertreibungen und Emotionen

1. Stellungnahme zum Artikel: JETZT WIRD GEPRÜFT UND BEWERTET im DER BERGSTRÄSSER

In seiner Ausgabe vom 16. September berichtete DER BERGSTRÄSSER zum Thema neue Ortsmitte und der Offenlage des Bebauungsplans. Man könnte von einem kleinen Drama sprechen, denn weder ist die Planung des Investors noch ist der Bebauungsplan an sich besser geworden.

Wenn der Investor wieder gebetsmühlenähnlich vorträgt, dass in dem Urteil des höchsten hessischen Verwaltungsgerichts nur formale Fehler zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans geführt hat, wird es nicht wahrer. Auch inhaltliche Fehler haben zu einer Unwirksamkeit geführt. Ebenso wurde seinerzeit nur ein Teil dessen, was an Mängeln festgestellt wurde, auch in der Klage formuliert. Im Urteil wurde zum Beispiel bemängelt, dass keine Überlegungen zum Umgang mit dem Straßenlärm durch geeignete Gebäudeanordnungen und Grundrissgestaltungen angestellt wurden. Zu den höheren baulichen Ausnutzungen fehlten planerische Überlegungen, damit nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt vermieden werden.

Man kann sich fragen, wieso der Investor sein Planungskonzept nun so grundsätzlich verändert hat, wenn es doch nur um die Behebung von formellen Fehlern ging.

So sah die Planung des Investors bisher aus, die als das Non plus Ultra vorgestellt wurde und so leider auch von SPD, CDU und FDP als eine „nicht besser zu findende Lösung“ für die Ortsmitte angesehen wurde.

Und so sieht die Planung bzw. Vorstellung des Investors nun aus.

Es wurde viel geändert. Die Arkaden sind weg. Das Erdgeschoss rückt nun noch weiter an die Darmstädter Straße heran. Die Tiefgarage wird flächenmäßig größer. Die Baumassen noch weniger gegliedert mit einer deutlich höheren Ausnutzung. Die Fassadenplanung vermittelt den Eindruck eines Bürogebäudekomplexes, nicht aber einer qualitätvollen Architektur, die deutlich macht, dass wir uns in einer neu gestalteten Mitte eines kleinen noch dörflich geprägten Ortes befinden.

Wir kennen nur wenige Details der Planung, stellen dabei aber schon jetzt fest, dass die Planung nicht besser geworden ist. Der Investor hat optimiert, was regelmäßig zu Lasten von Qualitäten geht. Das befürchten wir hier auch. Die politischen Entscheidungsträger von SPD, CDU und FDP sollten hellhörig werden. Die Alarmglocken sollten läuten und die neue Planung nicht wieder als Fortschritt angesehen werden.  

Auch das Umschwenken auf Mietwohnungsbau wurde als Fortschritt bezeichnet. Wir sind auch da vorsichtiger in der Bewertung. Wir glauben, dass der Investor festgestellt hat, dass eine Veräußerung in vielen kleinen Häppchen schwieriger ist, länger dauert und mehr Aufwand bedeutet. Ob die Idee, das Objekt als Mietobjekt zu realisieren, besser ist als eine eigentumsbezogene Konzeption zu verfolgen, ist nicht geklärt.

Die Bildmontage des Investors halten wir für äußerst kritisch. Wir werden uns zu der Bildmontage noch im Detail äußern. Vorab kann man aber schon jetzt bei genauerer Betrachtung viele Ungereimtheiten feststellen. Der Baukörper wurde nicht korrekt in das Bild einmontiert. Erkennbar wird das schon daran, dass vor der hohen Stützenreihe eine große Freifläche sein soll, nahezu genauso breit, wie auf der gegenüberliegenden Rathausseite. Tatsächlich ist nach dem Bebauungsplan an der vorderen Gebäudekannte bis zur Straße lediglich noch eine Breite von 2,50m geplant. Die Freifläche auf der gegenüberliegenden Seite am Rathaus hat eine Breite von über 6,00m. Es stimmt also etwas nicht. Der Bebauungsplan zeigt deutlich, dass der Gebäudeteil mit der Stützenreihe weit vor dem existierenden Gebäude mit dem Bistro steht. Hier wurden gezielt nichtexistierende Bäume ins Bild montiert, um diesen Umstand zu verdecken. Auch Bäume, die vor einer Tiefgaragenausfahrt stehen, Menschen die über eine Tiefgaragenrampe flanieren, Büsche und Stützen, die eine Feuerwehrzufahrt blockieren usw. kann man kritisieren.

Schauen Sie doch einfach selbst nochmal in den aktuellen Bebauungsplanentwurf (Link zum original PDF).

Dass der Investor versucht, die Straße aufgeweitet darzustellen, um den Eindruck einer Straßenschlucht zu vermeiden, liegt nahe. Man könnte gemäß Investorenbild meinen, es würde ein üppig breiter Bürgersteig entstehen. Auch das ist nicht anzunehmen. Nach dem Bebauungsplan wird der Bürgersteig über viele Meter nur 1,50m breit sein, wenn überhaupt.

Wir glauben auch, dass die Höhen in der Bildmontage nicht stimmen. Dies werden wir separat prüfen und aufzeigen. In der Planung des Investors sind Raumhöhen von 2,40m vorgesehen. Das ist niedrigstes zulässiges Maß. Vermarktbar ist das für das ausgesprochene qualitätvolle Wohnen wohl kaum. Die Darstellung ist zudem fragwürdig, wenn Decken auf Höhen von Fensterstürzen anschließen und Brüstungen im darunterliegenden Geschoss verschwinden.

Wir beziehen uns bei unserer Fotomontage immer auf die Festlegungen des Bebauungsplans, insbesondere bei Höhen und dem zulässigen Bauvolumen in den angegebenen Baufenstern mit seinen Baugrenzen oder Baulinien, an die zwingend zu bauen wäre. 

Der Investor versteht entweder das deutsche Planungsrecht nicht oder aber er versucht, es bewusst zu verdrehen, um damit die Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach in Misskredit zu bringen oder, im schlimmsten Fall, die Entscheidungsträger mit einem schöngemalten Bild zu beeinflussen.

Der Investor könnte übrigens schon heute bauen. Es gibt nämlich einen gültigen Bebauungsplan auf dessen Basis er die Grundstücke zusammengekauft hat. Auf dieser Grundlage kann ihm niemand reinreden. Er will aber etwas anderes mit viel mehr Bauvolumen. Dazu braucht er eine rechtliche Grundlage. Es ist daher sein Irrtum zu glauben, das könne er mit der Gemeinde (gemeint ist wohl in erster Linie der Bürgermeister) ausmachen. Auch wenn das wohl über Jahre in Bickenbach so praktiziert wurde und zum jetzigen Zeitpunkt definitiv nicht gesagt werden kann, dass die Bürger in die Planung einbezogen worden wären, haben Bürger gesetzlich verbriefte Mitsprache und Rechte in einem Bauleitverfahren. Das wird auch nicht an ein Eigentum an Grund und Boden geknüpft. Das ist völliger Blödsinn. Die Mitsprache und Mitwirkungsrechte der Bürger ergeben sich aus dem Grundgesetz, Art. 14, dass das Eigentum schützt, aber gleichzeitig auch verpflichtet.

Bauleitplanung zeichnet sich auch und insbesondere dadurch aus, dass es um städtebauliche Konzepte geht, die letztendlich die Zukunftsfähigkeit einer Kommune sicherstellen sollen. Eigentumsverhältnisse sind nachrangig. Daher geht es bei den Überlegungen, beispielsweise zu der Unterbringung von Autos, um die Frage, ob eine riesige, nahezu ausschließlich privat genutzte Tiefgarage im Ortskern, die richtige und nachhaltige Lösung ist und dabei die sich abzeichnenden Entwicklungen in der Mobilität Rechnung getragen wurde, oder es andere bessere Konzepte gibt, die das lösen. Nicht nur wir, sondern namhafte Städte- und Verkehrsplaner meinen, dass die Zeit zum Umdenken aus vielerlei Aspekten gekommen ist, sich die Haltungen zum Auto ändern. Ein Investor zieht von dannen. Eine Tiefgarage aus Beton bliebe. Eine neue Mobilitätsstruktur kommt und ist unabwendbar, auch auf dem Land. Die Politik und Entscheidungsträger sind deshalb gefordert, die zu bebauende Ortsmitte nicht in eine Sackgasse zu lenken. Rückwärtsgewandt zu bauen bringt eine Gemeinde nicht nach vorne.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis. Die zulässigen baulichen Ausnutzungen im Bebauungsplanentwurf beruhen auf der Gebietskategorie URBANES GEBIET. Die aktuell vorgesehenen zulässigen Baumassen gehen lt. Angabe über die der Planung des Investors hinaus. Das gilt auch für festgesetzte Höhen. Das ist nicht zu verstehen. Es wurde bereits von Verstädterung gesprochen und von Vorstadt, um die Ausnutzungen zu rechtfertigen. Wir halten das für eine denkbar schlechte Zielvorstellung für unser Bickenbach. Wir wollen weder eine Verstädterung, noch zur Vorstadt verkommen und entwickelt werden, sondern eine eigenständige charaktervolle und lebenswerte Gemeinde bleiben, die an baulichen Werten festhält,  sich anlehnend daran weiterentwickelt und eine emotionale Bindung an den Ort ermöglicht.                   

Was ist Bürgerbeteiligung?

Gastbeitrag einer engagierten Bickenbacherin.

Die Einbeziehung der Öffentlichkeit an gemeindlichen Planungen, z.B. Beispiel von Baugebieten, versteht sich in einer modernen Gesellschaft von selbst und ist Grundprinzip der Kommunalpolitik.

Sie trägt bei zur Mitverantwortung von BürgerInnen bei Planungen

  • Konfliktvermeidung im Vorfeld von Entscheidungen
  • Optimierung von Planungen
  • Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen und Verfahrensverzögerungen
  • Erhöhung von Akzeptanz bei Planungen
  • Nachvollziehen der Planungs – und Entscheidungsprozesse durch Einsichtnahme in Unterlagen
  •  Transparenz.

 

Unterlassung von vorzeitiger Öffentlichkeitsbeteiligung führt meist zu beachtlichen Verfahrensfehlern.

Demokratie lebt vom Mitmachen!

Art. 28, Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz fordert „effektive Mitwirkung an Angelegenheiten der öffentlichen Gemeinschaft zu ermöglichen“.

Zum Thema Bürgerbeteiligung empfiehlt die Friedrich-Ebert-Stiftung:

Bürgerinformation:

  • alle Rahmendaten, Fakten, Zahlen, eventuelle Argumente werden dargelegt
  • transparente Informationspolitik
  • planende Behörde ist Dienstleister für Bürgerinnen, muss notwendige Informationen bereitstellen

Damit kann Vertrauen geschaffen werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein Verfahren konfliktreicher, länger und teurer wird. Die Informationen müssen allen zugänglich sein.

Informationsveranstaltungen sind keine Bürgerbeteiligung!

So kann Bürgerbeteiligung gelingen:

  • Alle an einen Tisch – alles auf den Tisch
  • Fairness im gesellschaftlichen Umgang miteinander
  • frühzeitige Einbindung der Betroffenen, Beteiligten
  • Ergebnisse für alle Beteiligte und für die Öffentlichkeit zugänglich (z. B. Protokolle leicht zu finden und einzusehen)
  • Ergebnisse von Bürgerbeteiligung ernst nehmen
  • Ergebnis muss offen sein
  • gemeinsame Prozessgestaltung
  • begleitende Öffentlichkeitsarbeit
  • transparentes, verlässliches und kompetentes kommunikatives Verhalten
  • Dokumentation der Vorgänge
  • Fortschreibung der Ergebnisse, Auswertung und Bewertung

 

Bürgerbeteiligung als Alibi-Beteiligung:

  • Entscheidungen sind gefallen
  • man sucht hinterher die Akzeptanz für Entscheidungen

 

Vorteile der Bürgerbeteiligung:

  • Planungsfehler können vermieden werden
  • Qualität der Planung kann sich verbessern
  • BürgerInnen sind „Experten vor Ort“
  • kreatives Potenzial geht in Planung ein
  • Dialog auf Augenhöhe
  • gemeinsame Diskussion und Suche nach Lösungen vermeidet Spannungsfelder.

 

Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde!

Und die Entscheidungsträger können sich Rückendeckung durch eine breite Zustimmung der Öffentlichkeit holen.

 

Und was hat Bürgerbeteiligung mit Bickenbach zu tun?

Die Planungen für die „Ortsmitte“ fanden meist hinter „verschlossenen Türen“ statt. BürgerInnen fühlen sich nicht informiert:

„Hinter dem Gebäuderiegel ist doch ein Park geplant“, so eine 83-jährige Mitbürgerin am 5.8.2020. Nein! Leider nicht!

Die Informationsveranstaltungen von 2016/2017 waren nur Informationsveranstaltungen, keine Bürgerbeteiligung. Die Offenlegung der Pläne bis 4.9.2020 ist gesetzlich vorgeschrieben. Also – wo bleibt die Bürgerbeteiligung in diesem für Bickenbach so wichtigen Bauprojekt?

Nehmen wir uns die Devise von Heiner Geißler zu Herzen: Alle an einen Tisch – alles auf den Tisch!

„Man kann einige Leute die ganze Zeit, alle Leute einige Zeit, aber nicht alle Leute die ganze Zeit zum Narren halten.“

Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA.

 

Quellen:

  • Michael Krautzberger
  • Uwe Lübking
  • Friedrich-Ebert-Stiftung:   So geht Bürgerbeteiligung

 

Wie werden Bürgerinteressen richtig berücksichtigt?

  • Artikel im Darmstädter Echo „Dörfliche Struktur wird zerstört“
  • Was der Bürgermeister unter Bürgerbeteiligung versteht.

In dem Artikel im Darmstädter Echo vom 24.7.2020 wird der Bürgermeister dahingehend zitiert:

  1. dass die Planung keine neue sei, sondern die Heilung der vom Gericht bemängelten Punkte,
  2. in der Offenlage des Bebauungsplans die Eingaben von Bürgern gehört und abgewogen werden und
  3. er die geringe Teilnahme an der Gemeindevertretungssitzung am 2.7.2020 kritisiert.

 

Unsere Meinung dazu:

Zu Punkt 1:

Die Aussage des Bürgermeisters ist ungenau. Was meinte er, die Planung des Investors oder den Bebauungsplan, oder Beides?

Es wird zwischen Bebauungsplan und Planung des Investors hin und her gesprungen, bewusst oder aus Unkenntnis. Jedenfalls ist festzustellen, dass in dem Bebauungsplanentwurf die zulässige bauliche Ausnutzung massiv erhöht wurde zum vorhergehenden Plan und sogar höher ist als das nur in Teilen bekannte Planungskonzept des Investors. Bis heute hat der Bürgermeister die Gründe für diese massive Ausweitung nicht erklärt, auch nicht auf Nachfrage. Er spricht aber regelmäßig über die Planung des Investors. Der B-Plan lässt aber noch viel mehr an Baumasse zu, an Wohneinheiten, an Monofunktionalität an Größe einer Tiefgarage.

Das gelobte Konzept zur Stapelung von Autos wurde nicht abgesichert, nicht im B-Planentwurf und auch nicht im städtebaulichen Vertrag. Gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss nicht gesichert. Die Arkaden mit den vielen Läden entfallen zwar nun glücklicherweise, dafür rückt das Erdgeschoss näher an die Straße. Die Zeichnung des Investors, wie in dem Artikel des Darmstädter Echos zu sehen, ist deshalb beschönigend, um es zurückhaltend auszudrücken. Es entsteht eine enge Straßenschlucht und kein Boulevard.

200716_ Kopfhöhe

So wird es aussehen, wird der Riegel nach den Vorstellungen des Investors und den Festsetzungen des neuen B-Plans realisiert

 

Visualisierung BI Bickenbach

Die Idee der BI rückt die Gebäude ca. 6 Meter von der Straße, damit entsteht ein Boulevard und öffentlicher Raum, der zum Begehen und Aufenthalt einlädt

 

Die Entwässerung des zum großen Teil zubetonierten Teilgrundstücks soll über Rigolen erfolgen. Dazu werden Wege als Wannen ausgebildet und man hofft auf eine Begrünung der Dächer, die in hohem Masse Wasser zurückhält. Abgesichert wurde das nicht ausreichend, dafür werden aber den um das Teilgrundstück des Investors belegenen Grundstücken bis zur Fenstersprosse detaillierte Auflagen gemacht. Ob die Entwässerung bei starken Regenfällen funktioniert, steht in den Sternen. Die Entwässerung über den Landbach wurde zwischenzeitlich aufgegeben, da der Landbach bereits heute bei starken Regenfällen überläuft.

Dass der Bürgermeister lediglich von einer Heilung der gerichtlich festgestellten Mängel spricht, ist eine nicht nachvollziehbare Haltung, die auch falsch ist. Schon das Bild des Investors zeigt etwas anderes im Vergleich zu der früher veröffentlichten Ansicht. In der Gemeindevertretung am 2.7.2020 versuchte es der SPD-Fraktionsvorsitzende in gleicher Weise darzustellen, er sprach von der Heilung formaler Fehler, um dann allerdings lange auszuholen, was alles an der Planung des Investors geändert wurde.

Zu Punkt 2:

Die gesetzlich vorgeschriebene Offenlage des Bebauungsplans ist nicht die Beteiligungsform, die wir meinen und die notwendig ist, damit ein breit getragenes Konzept für den Ortskern entsteht. Dazu ist eine inhaltliche Beteiligung der Bürgerschaft notwendig.

Bürgerbeteiligung bei einem so wichtigen Zukunftsprojekt, wie der Neugestaltung der Ortsmitte, fängt also schon viel früher an und nicht erst mit der Offenlage eines Bebauungsplans. Die Bürgerschaft gehört bei der Findung des Baukonzeptes einbezogen. Wir sind nun sehr gespannt und werden es genau beobachten, ob der Bürgermeister dafür sorgt, dass Bedenken und Einwendungen gegen den Bebauungsplanentwurf sachlich, objektiv, unvoreingenommen und ergebnisoffen geprüft und bewertet werden. Ob er moderiert und sich objektiv verhält oder ob nur wieder den gesetzlichen Vorschriften im Verfahren genüge getan wird und nur der demokratische Schein gewahrt wird, tatsächlich aber den Vorstellungen des Investors die Legitimation der Gemeindevertretung verschafft werden soll.

Zu Punkt 3: 

Wir verstehen nicht, woran der Bürgermeister Anstoß nimmt. Vor der Tür wurde protestiert.

PLU 01

 

Die Bürgerinitiative hat nicht dazu aufgerufen an der Gemeindevertretung teilzunehmen. Wozu auch. Das Publikum wurde bereits am Anfang dazu aufgerufen, sich mucksmäusenstill zu verhalten und im Falle eines Zuwiderhandelns mit Ordnungsmaßnahmen gedroht.

Eine derartige Verhinderung einer aktiven Beteiligung am politischen Geschehen ist der Grund, dass sich kaum jemand für die Gemeindevertretung interessiert. Was beklagt wird, ist selbst verursacht und wir lesen aus der Aussage, dass der Bürgermeister damit zum Ausdruck bringen wollte, dass die Ortsmitte für viele kein Thema sei. Da irrt er sehr. Uns reichte die Teilnahme einiger, um das Geschehen zu dokumentieren. So etwa der Auftritt des SPD-Fraktionsvorsitzenden, der wieder mal versuchte, die BI vorzuführen, sie bezichtigte Unwahrheiten zu verbreiten. Die Absicht war klar. Der Vorwurf falsch. Trotz Nachweis, lehnt der SPD-Vorsitzende einen Widerruf seiner Behauptung ab. Der Bürgermeister als Vertreter aller Bürgerinnen und Bürger in Bickenbach sollte sich keiner Illusion hingeben, dass das Thema Entwicklung der Ortsmitte nur Wenige interessiert. Sehr viele beobachten die Entwicklung und bringen das Projekt mit der Person des Bürgermeisters in Verbindung. Er hat sich eben gerade nicht moderierend und ausgleichend verhalten, sondern sich einseitig für das Bauvorhaben des Investors stark gemacht. Es wird auch Bürgermeister, SPD, CDU und FDP nicht gelingen, das Thema Ortsmitte aus der Öffentlichkeit und der Debatte zu halten und möglichst unbemerkt die rechtlichen Grundlagen für die Bebauung nach den Wünschen des Investors zu schaffen.

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Nach dem neuen B-Plan zulässig!

 

Angefügt der Artikel aus dem Darmstädter Echo „ DÖRFLICHE STRUKTUR WID ZERSTÖRT“ vom 24.7.2020

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Zahnloser PLU-Tiger

Kurzer Kommentar zur PLU Sitzung vom 30.6.2020

PLU 02

Es gab bei der PLU Ausschusssitzung am 30.6.2020 keine Überraschungen. Ohne nennenswerte Debatte der Ausschussmitglieder wurde die Offenlage an die Gemeindevertretung überwiesen, die diese heute voraussichtlich beschließen wird.

Die Offenlage wird im Rahmen eines „ergänzenden Verfahrens“ kommen. Entsprechend war man sehr bemüht darzustellen, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Sicherheitshalber war der Rechtsanwalt der Gemeinde mit im Podium, der dieses mal das komplette Verfahren begleitet.

Dabei gab und gibt es einige Themen gegeben, die der PLU Ausschuss hätte debattieren können und dem Städteplaner als Arbeitsaufgabe mitgeben können. Bis auf sehr wenige Fragen, beispielsweise zu Mülltonnen und Fahrradstellplätzen, kam vom PLU jedoch nichts.

Leider war auch nicht zu erkennen, dass dies wertvollen Gastbeiträge wirklich zur Kenntnis genommen wurden, geschweige denn mitgeschrieben wurden. Man hat die Fragen zwar so weit es möglich war beantwortet, wirklich zu interessieren schien es aber niemanden.

Fragen zu Dachaufbauten wurden beantwortet, nicht aber in den B-Plan aufgenommen. Der Bauherr kann alles erzählen, was er will. Daran halten muss er sich nur, wenn es im B-Plan steht. Wenn der Generalunternehmer beim Bau einige Tausend EUR sparen kann, wird er ganz schnell die Dinge anders machen. Könnte man, müsste man festsetzen. Nicht geschehen.

Warum man die Geschossflächenzahl auf 2,0 setzt, obwohl diese nicht benötigt wird, war interessant. Der Investor könnte somit das Grundstück besser teilen (Anm. BI: und verkaufen). Solch ein Bau steht für viele Jahrzehnte. Man kann und muss die GFZ festsetzen, sonst ist Wildwuchs vorprogrammiert. Entweder der Investor will die GFZ von 2,0, weil er konkret etwas vorhat bzw. sich die Möglichkeit offen halten will, oder eben gemäß Aussage nicht. In letzterem Fall kann sie runtergesetzt werden, um Kurswechsel während der Planung und des Baus zu vereiden. Die Gemeindevertretung sollte dem vorausschauend einen Riegel vorschieben und das Thema zur Klärung an den PLU zurücküberweisen.

Der Ingenieur von BGS tat sich deutlich schwer, die geplante Versickerung glaubhaft zu vermitteln. Interessant war, dass Vorgaben der DIN 1986-100 hinsichtlich der Bemessung solcher Anlagen auf ein 100-jähriges Ereignis offensichtlich nicht bekannt sind, Gründach hin oder her. Auf Details wie gewählte Dauerstufen usw. wollen wir nicht mal eingehen. Es wurde aber klar, dass man hier nur den günstigsten Fall angenommen hat (Rigole leer, einmal regnen). Das ist fachlich falsch und nicht im Sinne der Regelwerke. Die Frage was passiert, wenn es zum Überstau kommt, war einfach beantwortet: „Dann steht es halt“. Falsch, es wird fließen. Eine Ableitung auf öffentliche Fläche oder Nachbargrundstücke ist jedoch unzulässig.

Das sind Themen, die der PLU Ausschuss klären sollte. Weniger die Mülltonnen. Die Aussagen der Fraktionen und allem voran des Bürgermeisters, schallen noch in den Ohren. Ohne geklärte Entwässerung stimmen wir dem Projekt nicht zu.

Andererseits ist das Thema Müll doch ganz spannend. Dezentral, d.h. jede Wohnung für sich. 76 Wohnungen, das sind ggf. jede Menge Mülltonnen. Die müssen dann alle schön zur Darmstädter Straße vorgebracht werden.

Sehr spannend war die Frage der SPD, ob man die Mieten der mietpreisgebundenen Wohnungen erhöhen kann im Tausch gegen eine längere Laufzeit. Richtig gehört, kam wirklich von der SPD. Könne man natürlich nicht, so der Investor, da man als Investor jetzt schon so gelitten hat und – Achtung – solche Dinge normalerweise dann geregelt werden, wenn Gemeinden Grundstücke z.B. vergünstigt an Investoren verkaufen. Ja ja, vergünstigt hat er gekauft, nur die Regelung fehlt…

Mehrfach hat man sich investorseitig über die Visualisierung der BI echauffiert und eiligst ein Bild ausgegraben (welches zuvor nicht gezeigt wurde) um Rücksprünge in der Fassade zu zeigen. Wir visualisieren aber nicht die Planung des Investors sondern den B-Plan der Gemeinde. Ein Update dazu kommt, mit Rücksprüngen. Ändert rein garnichts an der Masse.

Schön zu sehen, bzw. nicht schön zu sehen, war der Umstand, dass wieder alle Pläne und auch Schnitte ohne Umgebungsbebauung dargestellt wurde. Es fehlt absolut jede Bezugsgröße um einschätzen zu können, was das für ein Brummer ist. Warum in aller Welt kommt der PLU nicht auf die Idee, dies zu hinterfragen? Wenn der Investor, wie er gestern behauptet hat, bereits ein 3D-Modell hat, soll er es heute der Gemeindevertretung zeigen. Mit Umgebung!

Auch heute erwarten wir keine Überraschungen oder gar eine kritische Debatte bei der Gemeindevertretungssitzung. Dennoch werden wir wieder teilnehmen und zuhören sowie unseren Unmut über das Projekt und das Vorgehen der Gemeinde zum Ausdruck bringen.

2.7.2020, 30. Sitzung der Gemeindevertretung, 19:30 Uhr im Bürgerhaus

PLU 01

 

Wer kennt die Planung des Investors?

  • Bürgermeister hält Planung zurück!
  • Keine Beteiligung der Bickenbacher Bürgerschaft an der Konzeptfindung für die Ortsmitte!
  • Bürgerschaftliches Engagement wird gewünscht, aber bei wichtigen Dingen verhindert!
  • Wenige entscheiden! Ist das noch Demokratie?

 

In gemeindlichen Gremien wurde kürzlich vom Bürgermeister erklärt, der Investor habe seine Planung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der Facebook-Seite der Gemeinde erklärte der Bürgermeister, die Konzeption sei in der Presse vorgestellt worden.

Wir sind nicht der Meinung, dass die Planung des Investors zur Ortsmitte einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde und bekannt ist. Wir fragen uns daher, auf welcher Basis die Aussagen beruhen. Wir erinnern uns daran, dass der Bürgermeister sich auch eine Metzgerei wünschte. Weiß jemand, ob in der Planung des Investors eine Metzgerei vorgesehen ist? Wir wissen, dass der Bürgermeister die Bauplanung des Investors hat. Da er diese Planung zurückhält, ist nur Schlimmes zu vermuten.

Wir sind der Meinung, dass es die Pflicht einer Gemeinde und eines Bürgermeisters ist, die Konzeption für eine Neubebauung einer Ortsmitte mit der Bürgerschaft zu diskutieren und die Punkte, die sich daraus mehrheitlich ergeben, zumindest einer Prüfung zu unterziehen. Die Ortsmitte ist von außerordentlicher Bedeutung für Bickenbach, ja vielleicht das wichtigste kommunalpolitische Ereignis, da richtungsweisend für die Zukunft unseres Ortes.

Die Beteiligung erschöpft sich nicht in den Rechten, die ein Bürger in einem Bauleitverfahren hat. In einem Bebauungsplan sind nämlich schon Grundzüge zur Nutzung und Bebauung angelegt, die dem Bürger kaum die Möglichkeit eröffnet, konzeptionelle Änderungen durchzusetzen.

Für die Ortsmitte steht ein Entwickler fest, der eine Planung hat, die der Bürgermeister kennt und die konkret aufzeigt, was gebaut werden soll. Diese Pläne, bestehend aus Grundrissen, Ansichten und Schnittzeichnungen, gehören der Bürgerschaft vorgestellt und mit ihr diskutiert.

Entgegen den Ausführungen des Bürgermeisters in der Gemeindevertretung am 14.5.2020 wurde die Öffentlichkeit über die aktuelle Planung weder von dem Investor noch von der Gemeinde hinreichend informiert. Es ist lediglich bekannt, dass nun 76 statt bisher 55 Wohneinheiten geschaffen werden sollen, wovon 10 Wohnungen als gefördertes Wohnen vorgesehen sein sollen, eine größere Einzelhandelsfläche statt mehreren kleinen Shops, Gewerbeflächen (für Büros) aufgegeben werden und eine noch größere Anzahl an Stellplätzen in der Tiefgarage errichtet werden soll.

Weitere Details sind der Bevölkerung nicht bekannt. Etwa ob das Bauvolumen vergrößert wurde und welche Grünräume erhalten und neu geschaffen werden sollen zur Erhaltung des vorhandenen Kleinklimas und zum Schutz von Natur und Nachbarn, ob die Problematik des Verkehrs in der neuen Planung besser gelöst wurde und die stadträumliche bisher enge schluchtartige 4-geschossige Bebauung aufgegeben wurde, schlussendlich die geschlossene Bebauung aufgegeben wurde. Außerdem wäre den Bürgerinnen und Bürgern zu erläutern, ob, und wenn ja, welche Gegenleistungen und Zugeständnisse, etwa für die Ausweisung von 10 geförderten Wohnungen, gemacht wurden.

Mitgeteilt wurde außerdem, dass nun ein Mietmodell verfolgt werden würde. Hier wird die Bevölkerung interessieren, ob die Gemeinde ein Mietmodell begrüßt und was sie sich davon verspricht.

Eine öffentliche Vorstellung und Debatte gehört sich für eine so bedeutsame Stelle. Eine Bürgerbeteiligung ist ja auch gerade Chance, um zu konsensualem Handeln zu kommen. Genauso, wie eine Verweigerung, nicht nur zu falschen Festlegungen, erhebliche negative Wirkungen für Bickenbach haben kann und zu Verzögerungen beiträgt, wenn Bürger gerichtlich gegen Satzungsbeschlüsse und Baugenehmigungen vorgehen. Auch deshalb ist eine Kommune immer gut beraten, die Bürgerschaft einzubinden und wichtige Planungen vorzustellen und zur Debatte zu stellen. In vielen Städten und Gemeinden wird dieses Instrument daher regelmäßig und auch sehr erfolgreich angewendet. Ein Gemeindevorstand und eine Gemeindevertretung muss sich auch bewusst sein, welches Signal bei den Bürgerinnen und Bürgern erzeugt wird, wenn sie sich nicht getraut, ihren Gemeindemitgliedern die Bauplanung einer Investorengesellschaft für ihre Ortsmitte vorzustellen und zur Debatte zu stellen.

Die Gemeindevertretung sollte daher eine Beschlussfassung über die Offenlage des neuen Bebauungsplanentwurfs zurückstellen und zunächst die Bauplanung des Investors vorstellen und ein Meinungsbild bei der Bürgerschaft einholen.

Der Investor, vertreten durch Herrn Petersmann, hat in einem Interview mit dem Anzeigenblatt „Der Bergsträßer“ erklärt, dass die Erwerber der Grundstücke in der Ortsmitte dies auf Basis des verabschiedeten Bebauungsplans vornahmen. Unklar bleibt, was Herr Petersmann damit genau meinte. Wir fragen uns, ob den Erwerbern der Grundstücke eine höhere bauliche Ausnutzung im Vergleich zu der baulichen Ausnutzung in dem noch immer gültigen Bebauungsplan von 1993 vorab zugesagt wurden.

In der Antwort zur Anfrage der Fraktion Komm,A vom 12.3.2020 erklärt der Bürgermeister, die Bürgerinitiative Ortsmitte Bickenbach habe in einem ihrer Beiträge den gemeindlichen Gremien die demokratische Legitimation abgesprochen. Wir haben Beiträge auf unserer Website zurückverfolgt und konnten keine Passage finden, die die Aussage des Bürgermeisters belegt.

Außerdem führt der Bürgermeister in seiner Antwort in der Gemeindevertretung aus, dass der Autor des Beitrages nicht benannt wurde. Ein immer wiederkehrender Vorwurf. Es sagt nicht, welchen Beitrag auf der Website er meinte, aber es wird klar, dass er gerne wissen möchte: Wer schreibt?! Es ist völlig irrelevant, da es um den Inhalt geht und die Bürgerinitiative geschlossen hinter den Inhalten steht. Was steckt also dahinter? Die Ansprechpartner der BI sind dem Bürgermeister bekannt, sollte er das Gespräch suchen. Es dürfte nachvollziehbar sein, dass das Veröffentlichen von Artikeln im Namen der Bürgerinitiative auch ein gewisser Schutz von Einzelpersonen vor Angriffen aus der Politik und deren Umfeld ist.

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer kürzlich getroffenen Entscheidung festgestellt, dass Regierungsmitglieder sich bei ihrer Funktionsausübung mit parteipolitischen Aussagen zurückzuhalten haben. Ein Bürgermeister erfüllt die Funktion vergleichbar dem eines Regierungsmitglieds. Er hat sich Zurückhaltung gegenüber Parteien und außerparlamentarisch tätigen Organisationen, etwa einer Bürgerinitiative, aufzuerlegen, da er als Bürgermeister die Pflicht hat, für alle Bürgerinnen und Bürger zu handeln. Er darf sich daher insbesondere in den gemeindlichen Gremiensitzungen nur sachbezogen und neutral äußern, nicht aber politische Meinungsäußerungen vornehmen, auch nicht aufgrund von kritischen Äußerungen. Das sollte ein Bürgermeister beachten, denn er hat die gesamte Bürgerschaft zu vertreten und hat mit allen respektvoll umzugehen, auch mit Kritikern seiner Politik.  Er wird auch von allen bezahlt. Das nur nebenbei.

In seiner Antwort hat der Bürgermeister auf die Frage, welche Auswirkungen die Normenkontrollklage hatte, erklärt, dass der Stillstand durch die Normenkontrollklage resultiere. Hier wird Ursache und Wirkung richtig gut verdreht. Als ob bei dem Dieselskandal die Verursacher der Manipulationen in der Autoindustrie nicht für den Schaden verantwortlich zu machen wären, sondern Staatsanwälte und Organisationen, die den Skandal aufgedeckt haben. Wenn also der Bebauungsplan förmlich und materielle Fehler hatte und das höchste Hessische Verwaltungsgericht den Bebauungsplan für unwirksam erklärte, liegt die Verantwortung für die zeitliche Verzögerung bei der Gemeinde und niemandem sonst!

Leserbrief zur Neuen Mitte im ECHO (Samstagsausgabe)

Ein weiterer schöner Leserbrief zur Neuen Mitte in der Samstagsausgabe des ECHOs, der zeigt, dass die Meinung der BürgerInnen Bickenbachs zur Neuen Mitte keineswegs kritiklos und zustimmend ist, wie einige im „Hohen Haus“ so gerne versuchen weißzumachen.

Die Frage nach dem „Deal“ ist berechtigt. Schon lange sind die Motivatoren hinter der bedingungslosen Ergebenheit gegenüber dem Investor nicht mehr nachzuvollziehen. Sämtliche Energie der Gemeinde geht in die Interessensvertretung des Investors. Die Interessen, Sorgen und die Kritik der BürgerInnen Bickenbachs bleiben indes ungehört und unbeantwortet, werden zur Seite gewischt.

In diesem Zusammenhang nochmals der Hinweis auf die beiden Sitzungen der Gemeindegremien zur Neuen Mitte:

  • 30.06.2020 PLU Ausschuss
  • 02.07.2020 30. Sitzung der Gemeindevertretung

 

Leserbrief Elisabeth Jung

Bickenbach 2.0

Ein Kommentar zur Neuen Mitte von Marc-Andre Lyachenko

So, nun steht sie an, die erneute Offenlage zur Neuen Mitte. Keine wirkliche Überraschung, Bürgermeister Hennemann hatte ja noch im Gerichtssaal des VGH in Kassel verlauten lassen, dass man an dem Projekt unverändert festhält. Ich war da, war ich doch der einsame Kläger, derjenige Bürger oder wahlweise einzelne Anwohner in Bickenbach, der so viel Ärger gemacht hat und ursächlich für den ganzen Stillstand ist. Oder anders ausgedrückt: Der seine Rechte und die vieler Bürger wahrgenommen hat. Vorsicht, der folgende Text könnte auch im weiteren Verlauf Sarkasmus enthalten.

Seit dem Urteil haben Investor und Gemeinde die Öffentlichkeit gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Ungewöhnlich, in welch schneller Taktung und in welch kurzer Zeit das Gemeindeparlament aber auch die Bürger jetzt genötigt werden, umfangreiche Dokumente in ihrer Freizeit zu sichten und zu bewerten. Immerhin geht es darum, dass das Gemeindeparlament den neuen B-Plan verstehen muss, bevor es darüber befinden kann – theoretisch! Auch keine Überraschung ist, dass eine Offenlage vermutlich (sofern sie zeitnah kommt) aus Versehen wieder einmal in die Ferienzeit rutscht. Hatten wir ja schon einmal. Es soll jetzt schnell gehen. Nicht nur mit dem Bau. Auch Kommunalwahlen stehen an, denen dieses Thema für manche so gar nicht gut zu Gesicht steht – außer es rollen bis dahin die Bagger.

Ich kann nur allen empfehlen, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten mit den Unterlagen auseinander zu setzen. Immerhin gibt es neben der formalen Heilung des alten B-Planes doch einige gravierende Änderungen. Diese sind für den Laien nicht immer sofort ersichtlich, haben es aber teils in sich.

Es hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass nun Mietwohnungen entsehnen sollen. Ganze 76 an der Zahl. Das ist ein aberwitziger Dichtewert von 126 Wohneinheiten bezogen auf den Hektar. Sicherlich auf absehbare Zeit ein Rekord entlang der Bergstraße. Ich schätze, dass die Umgebungsbebauung im Bestand des Geltungsbereiches des alten Bebauungsplanes eine Dichte von ca. 20 Wohneinheiten pro Hektar haben dürfte, plus/minus.

Das wirklich absurde daran ist, wie die Begründung zum B-Plan versucht, diese abartige Dichte damit zu rechtfertigen, in dem man die direkte Umgebungsbebauung mit geringer Bebauungsdichte nun mit in Betracht zieht. Man muss es schon mehrfach lesen und wird es dann immer noch nicht nachvollziehen können. Was theoretisch alles in der Umgebung gebaut werden könnte (Bestandsbebauung mit geringer Dichte) soll erklären, warum man die Ortsmitte großstädtisch verdichten möchte. Hier hat jemand die Zielsetzungen des Regionalplans hinsichtlich orts- und umgebungsangepasster Bebauung deutlich missverstanden. Übrigens, bisher hat man sich der Inbetrachtziehung der Umgebung immer verwehrt. Es hätte nicht ins Konzept gepasst.

Apropos großstädtisch… Die Ortsmitte wird jetzt urbanes Gebiet und Teile der Grundstücke an der Bachgasse gleich mit. Ein ganz großer Wurf, darauf musste Bickenbach als Bergstraßendorf so lange warten. Endlich urban! Neben der Art der Nutzung nebst Vorgaben zur Bebauungsdichte (GRZ, GFZ) erlaubt ein urbanes Gebiet praktischerweise auch mehr Lärm. Passt perfekt, hat doch das Schallgutachten deutlich gezeigt, dass man weit über alle Grenzwerte hinausschießt. Übrigens auch weiterhin über die erhöhten Grenzwerte des urbanen Gebietes. Man nimmt es hin. Immerhin ist der Lärmpegel unterhalb dessen eines Staubsaugers in ca. einem Meter Abstand. Gekniffen sind vermutlich die gegenüberliegenden Wohnungen aber das ist nicht Gegenstand des B-Plans. Hierfür ist die Gemeinde nicht zuständig und das bisschen Risikoerhöhung von Herz- und Kreislauferkrankungen wird schon nicht so schlimm sein.

Macht auch nichts, deshalb sind die Wohnungen (10 an der Zahl) entlang der Darmstädter Straße auch mietpreisgebunden/ -reduziert und somit sehr günstig – für knapp unter 10 EUR/m² Kaltmiete fast schon ein Schnäppchen. Hinzu kommen vermutlich lediglich geringe Nebenkosten für den Erhalt und Betrieb der Wohnanlage sowie (à Nutzung für Pendler) Kosten für ein oder mehrere Stellplätze in der – juhu – einstöckigen Tiefgarage!

Was hatten wir nicht schon einen Spaß mit dieser Tiefgarage. Die war schon mal einstöckig. Vorgaben der Gemeinde und ach so kernige Aussagen unseres damaligen Bürgermeisterkandidaten und jetzigen Bürgermeisters, dass es mit ihm keine Doppelparker geben wird, machten die Tiefgarage zweistöckig. Nun wieder zurück zur Einstöckigkeit mit Hilfe von „Parksystemen“. Das Wort „Doppelparker“ kann wahlkampfstrategisch vermutlich nicht mehr genutzt werden. Achtung Spoiler: Es sind aber DOPPELPARKER.

Hoffen wir mal, dass die Tiefgarage nie bei Starkregen volllaufen wird. Wäre ein teurer Spaß. Aber dafür gibt es jetzt ja die Rigolen, die zuvor in der Abwägung hinter der Entwässerung über den Landbach lagen. Ein Streit darüber ist vermutlich nicht zielführend. Ich meine, dass beides nicht funktionieren wird aber mein Studium der Siedlungswasserwirtschaft ist auch schon lange her. Ob die Anlieger der Neuen Mitte nun über die Rigolen oder den Landbach geflutet werden, spielt eigentlich keine Rolle. Wenn es richtig runterkommt, wird sich das Wasser seinen Weg mit Zielrichtung „Kastanie“ suchen. Das Maß der Versiegelung ist hier ausschlaggebend und dieses ist für das Areal ohne wirkliche Entwässerungsmöglichkeit schlicht zu hoch.

Diejenigen, die der aktuellen Bienenwiese etwas abgewinnen können, können aufatmen. Die bisher festgesetzten kleinen Streifen zum Erhalt bleiben erhalten. Quasi der Erhalt des Erhalts.  Der Rest der Fläche darf sich dafür im Sommer schön aufheizen – Gründach hin oder her. Streitigkeiten um Ausgleichsflächen wie in der Waldkolonie wird es auch nicht geben. Diese sind schlicht nicht vorgesehen, Abwägung erledigt. Das Areal ist ja immerhin kleiner als 20.000m². Na ja, außer man braucht es, um sich die Dichte schönzurechnen.

Freuen dürfen wir uns auf einen Bäcker und einen Bionahversorger. Obwohl, schade, eigentlich bin ich persönlich bisher ganz gern zum Sonnenhof oder zur Familie Bitsch gegangen, um dort saisonal und regional einzukaufen. Auch den Liebig habe ich liebgewonnen. Ein Unverpacktladen ist mit dem Fahrrad in Auerbach zu erreichen und Alnatura verhackstücke ich persönlich mit den Einkäufen in der Pfarrtanne. Hmm, was nur tun? Keine Frage, ein Nahversorger bringt Leben in die Ortsmitte. Muss eben konzeptionell ins Konzept passen. Achtung, Ironie.

Die Wegerechte (bis zum) und der Spielplatz sind toll, aber weder eine positive noch negative Änderung zur Vorherigen Planung. Bleibt also wie es ist. Ich frage mich jedoch, ob man Kinder sicher entlang der Darmstädter Straße dort hinschicken kann/möchte bzw. ob das Areal attraktiv genug ist, damit solch ein Spielplatz grundsätzlich für alle Bickenbacher Bürger in der Ortsmitte attraktiv ist. Immerhin, er wird meistens im Schatten liegen.

Jetzt zu den positiven Dingen.

Vielen Dank fürs Lesen dieses längeren Kommentars, der nur an der Oberfläche dessen kratzt, was da auf Bickenbach zukommt. Immerhin brauchen wir ja auch Futter, sollte ein weitere Klage kommen.

 

 

 

 

 

 

Leserbrief zur Neuen Mitte im ECHO

Wir hätten es als BI nicht besser formulieren können, was ein Leser im ECHO kommentiert hat mit Bezug auf die jüngste Berichterstattung zur Neuen Mitte und den dynamischen Vorgängen. Herbert Engelhardt weiß von was er spricht. Er hat Bickenbach jahrelang als aktiver Kommunalpolitiker begleitet und sich immer für eine Ortsentwicklung eingesetzt, die Bickenbach als Bergstraßendorf erhält und zugleich eine Entwicklung erlaubt, die notwendig ist.

In diesem Zusammenhang nochmals der Hinweis auf die beiden Sitzungen der Gemeindegremien zur Neuen Mitte:

  • 30.06.2020 PLU Ausschuss
  • 02.07.2020 30. Sitzung der Gemeindevertretung

 

20200622DE40

 

Der vollständige Artikel kann in einem entsprechenden Beitrag auf der Webseite von Komm,A eingesehen werden.