Ist die Planung Müll?

Ein komplett neues Wohngebiet mit Gastronomie und Supermarkt soll entstehen. Mitten im Ort, hautnah an der B3, man wird den Fahrtwind der vorbeirauschenden Autos förmlich spüren können. Schicke Kurzzeitparker soll es entlang der Straße geben. Eine kuschelig dunkle Tiefgarage mit meditativem Brummen und städtischen Gerüchen. Ein schmaler Gehweg lädt zum Flanieren ein. Bei Fußgängergegenverkehr oder sich öffnenden Türen ausreichend Platz in den Rücksprüngen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dank des Straßenlärms endlich kein unangenehmer Tratsch mehr mit den Bekannten und ständig eine steife Brise wie in einem Windtunnel. Angenehmer Schatten wohin man auch sieht, den ganzen Tag. Ein ausladender Kinderspielplatz in der Größe eines Doppelhausgartens. Soweit klingt das alles wunderbar. Her damit, so schnell es geht!

76 Wohneinheiten, das ist eine ganze Menge. Das ist in etwa doppelt so viel, wie es bereits jetzt Wohneinheiten in dem Gebiet zwischen August-Bebel-Straße, Bachgasse, Steingasse und Darmstädter Straße gibt – effizient auf kleinstem Raum mit kleinen Räumen. Viele Menschen sollen die Neue Mitte bevölkern. Bickenbach wächst, soll Vorstadt werden (so unser Bürgermeister) und mit Urbanität ein Glanzlicht an der Bergstraße sein.

Es gibt da aber leider ein paar Probleme. Eines davon: Viele Menschen machen viel Müll! Gastronomie und ein Supermarkt machen noch viel mehr Müll. Grüne Tonne, schwarze Tonne, blaue Tonne und jede Menge gelber Säcke. Fast so viel Müll wie das Projekt an Problemen hat.

Wir fragen uns, wo denn der ganze Müll hin soll? Brennend interessiert uns die Frage, wie die Müllentsorgung organisiert werden soll. Fragen, die nicht neu sind. Fragen, die bisher leider unbeantwortet blieben. Ist unser betoniertes Vorstadtidyll etwa in Gefahr?

Es ist nicht vorgesehen geschweige denn möglich, dass Müllfahrzeuge in die Neue Mitte „hineinfahren“. Die Abholung erfolgt also zentral von einem Punkt an der B3. Stellen Sie sich vor, die in etwa doppelte Menge an Müll des Areals zwischen August-Bebel-Straße, Bachgasse, Steingasse und Darmstädter Straße müsste von einem einzigen Punkt abgeholt werden!

Aufstellflächen für Mülleimer zur Abholung gibt es nicht. Der fast nicht vorhandene Gehweg wird straßenseitig von Längsparkern flankiert. Eine ausgewiesene Fläche für das Müllfahrzeug gibt es nicht.

Eventuell gibt es Aufstellflächen für Mülltonnen in den eigentlich nicht vorhandenen Innenhöfen direkt neben den Terrassen der Erdgeschosswohnungen. Ein sicherlich toller Anblick für die Anwohner. Der Entsorgungsarbeiter wird sich übrigens auch freuen über die Rennerei in den Innenbereich – und die Autofahrer im Stau auf der B3 hinter dem Müllfahrzeug auch.

76 Wohneinheiten. Das sind jedes Mal 76 kleine Tonnen oder etwas weniger dafür große Container. Dazu kommen noch die Container für die Gastronomie und den Supermarkt. Das ist sehr viel Müll, das wird sehr lange dauern. Jedes Mal!

Ist dies dem Gemeindeparlament und dem Gemeindevorstand sowie dem Bürgermeister eigentlich bewusst? Oder ist es den Vertretern der Bickenbacher BürgerInnen egal?  Sache der Objektplanung. Das Los der Vorstadt. Das ist in etwa so, als ob man eine Autobahn plant und baut und sich dann wundert, dass es Verkehr, Abgase und Lärm gibt…